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Claude Lanzmann

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Claude Lanzmann

Beitrag  Admin am 16/3/2014, 19:03

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Claude Lanzmann, geboren 1925 in Paris, studierte Philosophie und war Lektor an der Freien Universität Berlin. Als Journalist reiste er unter anderem nach China und Korea und engagierte sich gegen den Algerienkrieg. 

Er ist ein französischer Regisseur von Dokumentarfilmen und Produzent. Er ist Herausgeber des von Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir gegründeten Magazins Les Temps modernes. Wikipedia



Seine Dokumentarfilme «Pourquoi Israel» (1972) 





und «Shoah» (1985) 




machten ihn weltberühmt. Er ist Ehrendoktor der Hebräischen Universität Jerusalem und der European Graduate School. 


Claude Lanzmann lebt in Paris.

Ein Artikel über den Film SHOAH und die Reaktionen in Polen..




Die Fahne beschmutzt

VON DANIEL PASSENT
Aktualisiert  7. März 1986  07:00 Uhr 



Von Daniel Passent
Der Film „Shoah“, insbesondere jene Szenen, die in Polen spielen, hat die polnische Nation moralisch erbeben lassen. Noch vor der polnischen Premiere erhob die Botschaft der Volksrepublik offiziell beim französischen Außenministerium Einspruch. Regisseur Claude Lanzmann hat es erreicht, was niemandem seit der Einführung des Kriegsrechtes in Polen gelungen ist: Die sozialistische Regierung, die katholische Kirche und fast die gesamte Nation verbündeten sich – gegen ihn.
Eine offizielle Protestnote, wenigstens zwei offizielle Stellungnahmen des Regierungssprechers (darunter ein Interview ausschließlich zum Thema „Shoah“), Hunderte von Telephonanrufen und Tausende von Briefen, die bei den Redaktionen und beim Fernsehen eingingen, Proteste des offiziellen Frontkämpferbundes sowie der regierungsfreundlichen Patriotischen Bewegung zur Nationalen Wiedergeburt, kritische Artikel in allen Zeitungen, von den Parteiorganen bis zur katholischen Presse, hitzige Polemiken im privaten Kreis und in der Öffentlichkeit, schließlich auch in meiner Polityka-Redaktion eine ganze Schublade voller Stellungnahmen, die aus Platzmangel nicht gedruckt werden konnten – all das ist seit Jahren keinem Regisseur mehr gelungen.
Um die polnische Reaktion zu verstehen, muß man Herrn Lanzmann und die Polen kennen. Simone de Beauvoir, die mit dem achtzehn Jahre jüngeren Lanzmann eng befreundet war, schildert ihn in ihren Memoiren als einen überaus bewußten und stolzen Juden, in dem die Tragödie seines Volkes tiefe Narben hinterlassen hat: „Obgleich er unter den ‚Gojim‘ viele Freunde besaß, hegte er ihnen gegenüber doch stets einen Groll. ,Immer noch möchte ich töten‘, sagte er. Ich fühlte, daß eine gewaltige Kraft, die jeden Augenblick ausbrechen konnte, in ihm lauerte und bisweilen morgens, nach stürmischen Träumen, die ihn in der Nacht heimgesucht hatten, alle seine Gedanken beherrschte; wenn er dann erwachte, schrie er mich an: ‚Ihr seid alle Kapos!‘ (...)“ (Memoiren, „Alles in allem“, Band 2, polnische Ausgabe, 1967).
Dieser stolze und verletzliche Lanzmann geriet an die stolze und verletzliche polnische Nation, die von ihrer geschichtlichen Mission überzeugt ist und unbändig wird, wenn man sie, zumal auch noch ungerechtfertigt, zu beleidigen versucht. Die Worte „Stolz, Würde und Kränkung“ sind für die Polen feststehende Begriffe, im Privatleben ebenso wie in der Öffentlichkeit.
Unlängst fühlten sich einige Mitglieder der Wahlkommission von Lech Walesa beleidigt, weil sich seine Ergebnisse vom Ausgang der Sejmwahlen nicht mit ihren Berechnungen deckten; deshalb brachten sie die Angelegenheit vor Gericht, und in Danzig fand ein richtiger Prozeß statt. Unser Regierungssprecher sagte mehrfach, daß hochrangige Politiker der USA, darunter der Präsident und Minister Weinberger, das Volk, den Staat und die Führung Polens „beleidigt“ hätten. Ich selbst habe zweimal mit Erfolg gegen jene prozessiert, die mich verleumden wollten; das erstemal hatte jemand behauptet, ich sei ein Mann des Pentagons, beim zweitenmal ging es darum, daß mir alles Polnische, Nationale und Eigene fremd sei, ich also ein abtrünniger Kosmopolit sei. Ein Pole trägt seinen Stolz im Herzen, dort, wo bei anderen die Brieftasche sitzt.
In ein solches Land kommt nun der Film „Shoah“, den Lanzmann teilweise in Polen gedreht hat. Er zeigt ein armes, verfallenes Land, ohne Autos, ohne Fernsehen, ohne ordentliche Straßen, ein Land, in dem es nur Ackergäule und klapprige Fuhrwerke gibt, rissige Wände und geborstene Mauern, in denen arme, primitive Menschen wohnen und beten, die keine tieferen Gefühle kennen, sondern zufrieden ihre Felder vor den Toren von Treblinka bestellten, während die Luft über ihnen vom Rauch der verbrannten jüdischen Leichen erfüllt war.


Der sensible und verletzliche Lanzmann hat sich mit der sensiblen und verletzlichen polnischen Öffentlichkeit angelegt. Seit mindestens zweihundert Jahren, seit der Aufteilung des Landes unter Preußen, Rußland und Österreich nimmt das Leiden im Namen der Freiheit, der eigenen, der fremden und der göttlichen, in der polnischen Vorstellungswelt einen zentralen Platz ein; Lanzmann aber wirft den Polen vor, gegenüber dem Schicksal der Juden gleichgültig zu sein. „Polen ist der Christus der Völker“, schrieb der Prophet Wyspianski in dem Nationaldrama „Die Befreiung“. Zu diesen Werten gehört die Solidarität mit all jenen, die gegen die Henker kämpfen – angefangen mit Jaroslaw Dabrowski, der der Pariser Kommune als General diente, über Kosciuszko und Pulaski, der im nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieg den Tod fand, bis zu Monte Cassino und London, das polnische Piloten vor den Angriffen der deutschen Luftwaffe verteidigten.
Je schlechter es dem polnischen Volk und dem polnischen Staat in den letzten Jahrhunderten ging, desto eifriger hüteten die Menschen die Tradition, desto emsiger stopften sie die von Kugeln durchlöcherten Fahnen, auf denen geschrieben steht: „Für Gott, Ehre und Vaterland“ und „Für unsere und eure Freiheit“. Und da kommt ein jüdischer Regisseur aus Frankreich daher und will diese Fahne beschmutzen. Einer der führenden Nachkriegspublizisten, Edmund Osmanczyk, schrieb gleich zu Beginn der nationalsozialistischen Okkupation: „Es ist unser Beruf, in Heldenpose vor den Augen der Welt zu sterben.“ Die Deutschen haben diese Eigenschaft nicht nur während des Krieges in Polen praktisch kennengelernt, sondern ebenfalls theoretisch formuliert; davon zeugt zum Beispiel der Titel eines Buches, „Polen. Träumer, Helden, Opfer. Geschichte einer rebellischen Nation.“ (Oldenburg 1981), das der westdeutsche Historiker Heinrich Jänicke verfaßt hat. Professor Wladyslaw Markiewicz, ein vorzüglicher Kenner der polnischen und der deutschen Nation, meint, daß die politischen Ansichten der Polen „einseitig und höchst egozentrisch“ seien, zudem „meist übermäßig emotional und nicht selten provokant“.
Sicherlich pflegen andere Völker die Eigenliebe in der gleichen, wenn nicht sogar in einer noch auffälligeren Weise. In der Zangensituation jedoch, in der sich Polen seit Jahrhunderten befindet, muß sich die Vorstellung, durch die Teilungszeit ein ausgewähltes Volk geworden zu sein, welches unschuldig für Millionen leidet, als tödlich erweisen.
Der empfindsame Lanzmann hat somit die empfindsamen Polen an der schmerzlichsten Stelle getroffen: der Vernichtung der Juden durch die deutschen Angreifer und der Haltung, die sie demgegenüber einnahmen. Notabene bemerkte einer der Diskussionsteilnehmer, daß es wahrscheinlich das gleiche gewesen wäre, wenn sich die Polen in den Gettos befunden hätten und die Juden auf der anderen Seite der Mauer, denn keine Moral der Welt habe die Menschen auf Auschwitz vorbereitet.
Polen hat auf Lanzmanns Film allergisch reagiert. Nach der Premiere in Frankreich erhob die polnische Botschaft Einspruch, was insofern verwunderlich ist, als in der Welt viele antisowjetisehe, antiamerikanische, antisemitische und antijapanische Filme gedreht werden, ohne daß die Botschaften darauf reagieren.
Das offizielle Warschau zeigte sich indessen besonders verärgert über die Tatsache, daß François Mitterrand und seine Minister bei der Premiere von „Shoah“ anwesend waren, was logisch war, da Paris – neben Washington – am grimmigsten gegen die Regierung General Jaruzelskis zu Felde zog. Die polnische Presseagentur, die normalerweise keine ausländischen Filme kommentiert, schrieb, daß „Shoah“ der Versuch sei, im Westen ein neues Stereotyp des Polen in den schweren Jahren der Nazi-Besatzung zu lancieren. Es werde der Eindruck erweckt, „als hätten einzig und allein die Polen der Vernichtung der Juden tatenlos zugesehen, (...), als hätten sie nichts getan, um ihren jüdischen Brüdern zu helfen“; die Bäume, die das jüdische Gedenkinstitut Yad Vashem in Israel gepflanzt habe, zeugten indessen genau vom Gegenteil. „Indem Lanzmann aus allen Polen Antisemiten macht“, heißt es weiter, „liefert er dem Westen, der sehr wohl wußte, welches Schicksal die Juden im besetzten Polen erwartete, und der sich dennoch lange Zeit gegenüber den Hilferufen der polnischen und der jüdischen Widerstandsorgansationen taub zeigte, ein Alibi.“
Regierungssprecher Jerzy Urban, der einst, als frivoler Feuilletonist, über seine Herkunft spöttelnd geschrieben hatte, es sei ihm gleichgültig, „was mir zwischen den Beinen baumelt“, bezeichnete „Shoah“ als einen Film, „der die polnische Gesellschaft verunglimpft“. Während die Polen sich nicht der Kollaboration schuldig gemacht und sogar in der französischen Widerstandsbewegung gekämpft hatten, gab es, so meinte Urban, in Frankreich „eine breitgefächerte und institutionalisierte Kollaboration. Die Vichy-Regierung hatte ihren Anteil an der Ermordung der Juden, und nazifreundliche Gruppierungen verkündeten offen ihre antisemitische Einstellung, während in Polen die Gaskammern und Krematorien auf Hochtouren liefen.“


Der Sozialist Mitterrand glaubte damals, Chirac und Giscard in ihrer Verdammung Jaruzelskis noch übertreffen zu müssen. Urban drohte seinerseits, die polnisch-französischen Beziehungen zu begrenzen und zum Beispiel den Französischunterricht in den polnischen Schulen zu beschränken, worüber alsbald zahlreiche Witze kursierten. In Warschau, so hieß es, würden eiligst Kurse eingerichtet, die helfen sollten, die französische Sprache zu vergessen.
In der Tat war der Film der antipolnischen Hatz förderlich. Die Tageszeitung Libération zum Beispiel schrieb unter der Überschrift „Polen auf der Anklagebank“, daß „alle polnischen Massenbewegungen mit Ausnahme der Solidarnosc antisemitischen Charakter hatten“. Der Publizist Jan Rem (unter diesem Pseudonym verbirgt sich Jan ban, wenn er nichtoffizielle Ansichten verbreiten möchte, die den offiziellen fast zum Verwechseln ähneln) schrieb, daß die Polen in dem Film „Shoah“ dumpf, primitiv und rückständig erschienen, daß Lanzmann sozusagen die Kellerwohnung zeige. Die Polen wirkten wie Barbaren vor dem Hintergrund einer mittelalterlichen Landschaft.
Fügen wir hinzu, daß Lanzmanns Film und die offizielle Unterstützung, die er in Frankreich genoß, davon zeugt, wie unaufrichtig und schizophren der Westen Polen betrachtet. Mal ist Polen der östliche Brückenkopf der westlichen Zivilisation, die Vormauer des Christentums, die Maginotlinie gegen die asiatischen Kommunistenhorden, die Heimat vom Papst, von Milosz und Walesa. Dann wieder, je nach Bedarf, sind die Polen lauter Geistesschwache, die wie Nomaden in der osteuropäischen Tiefebene herumstreunen, pathologische Antisemiten, die Juden für ein Stückchen Brot verraten haben oder ihnen mit der Auslieferung an die Gestapo drohten, wenn sie ihnen nicht ihre letzte goldene Uhr und die Ohrringe schenkten; die schließlich zuschauten, wie Rudolf Höss in Auschwitz für die Kreuzigung Christi Rache nahm. Und das alles, obwohl neben Millionen Juden auch Millionen Polen umkamen; unter ihnen gab es Helden, die für die Rettung von Juden mit ihrem Leben bezahlten, und Hyänen, die das Schicksal der Unglücklichen ausschlachteten.
Die Situation im Sommer letzten Jahres war paradox: Polen empörte sich über einen Film, den es nicht gesehen hatte (von einigen Funktionären einmal abgesehen). Das ist nur in einem Lande möglich, in dem es ein staatliches Fernseh- und Kinomonopol gibt. Deshalb beschloß die Regierung Jaruzelski, im Fernsehen jene Fragmente von „Shoah“ zu zeigen, die Polen betreffen, und in den Kinos den ganzen Film.
Einige Betonköpfe aus den dogmatischen Kreisen, deren Sprecher Ignacy Krasicki von der Wochenzeitung Rzeczywistosc ist, rümpften daraufhin die Nase und beanstandeten, daß die Regierung nun einen die Polen diffamierenden Film zeige, den sie noch unlängst scharf verurteilt habe. Die Regierung verfügte diesmal jedoch über zugkräftige Argumente. Sie konnte sagen, daß sie nicht einen Film zu verstecken beabsichtige, gegen den sie Einspruch erhoben hatte. Möge jeder selbst sehen, was der geliebte Westen über die Polen denkt.
Zum anderen konnte man dadurch den Landsleuten zeigen, daß nicht jeder und nicht immer so untadelig war, wie jene glauben, die das tapfere polnische Volk idealisieren, das sich dem Staat und den sozialistischen Behörden widersetzt. Schließlich klagte der Film auch einen Teil des katholischen Erbes an, das von vielen für die Schatzkammer aller Tugenden in diesem gottlosen Staat gehalten wird.
Die Fernsehausstrahlung stieß auf ungeheures Interesse. Nervös wartete man auf jede abfällige Geste, auf jedes unfreundliche Wort zum Thema Polen. Reporter suchten die Menschen auf, die Lanzmann gefilmt hatte. Sie erzählten, wie der Regisseur seine einfachen, bäuerlichen Gesprächspartner manipulierte, die zum erstenmal vor einer Kamera standen, noch dazu vor einer ausländischen.

Der Priester Franciszek Lubecki, Pfarrer in Chelmno in der Nähe Treblinkas, hatte, wie er sagte, dem Gespräch zunächst zugestimmt. Lanzmann aber habe derart tendenziös gefragt und alles auf die von ihm gewünschten Antworten abgestellt, daß sich der Priester schließlich weigerte, das Gespräch fortzusetzen. Statt dessen filmten die Kameraleute dann die rissigsten und verfallensten Mauern seiner Kirche.
Leon Kantorowski, Organist in derselben Kirche, aber auch einige andere Personen erzählten, daß es zuweilen, obgleich man über die Juden sprach, recht locker zugegangen sei, denn Lanzmann habe mehrfach angeordnet, denselben Satz zu wiederholen, und überdies Späße gemacht und dann die kurzen Augenblicke des Gelächters gefilmt.
Dennoch haben nicht alle Polen den Film gleich aufgenommen. Zygmunt Kaluzynski, Filmkritiker der Wochenzeitung Polityka und Enfant terrible der polnischen Presse, meinte, daß der Film überhaupt nicht antipolnisch sei, sondern sich zum Beispiel in ebensolchem Maße mit den Bewohnern der griechischen Insel Korfu kritisch auseinandersetze. Hingegen richtet sich der Film gegen die Kirche, besonders gegen den Katholizismus. Davon zeugen auch die Aussagen Lanzmanns in der Presse, denen zufolge er den polnischen Antisemitismus für ein Kind des Katholizismus hält. Dafür spricht ferner der Auftritt des amerikanischen Professors Raul Hilberg in „Shoah“. Für den Autor einer vierbändigen Arbeit über die Vernichtung der Juden gibt es drei Stadien des Antisemitismus: Erstens – Juden haben kein Recht, unter Christen als Juden zu leben, daher die zwangsläufige Bekehrung zum Christentum. Zweitens – Juden haben kein Recht, unter Christen, beziehungsweise unter Ariern zu leben; daher sperrt man sie in Gettos ein oder treibt sie in die Emigration. Und drittens – Juden haben überhaupt kein Recht zu leben, daher die „Endlösung“.
Zu guter Letzt meldete sich Jerzy Turowicz zu Wort, Chefredakteur des Tygodnik Powszechny, der Zeitung der katholischen Kirche, die sich durch den Film und die Aussagen Lanzmanns besonders berührt fühlen mußte. Vor dem Kriege nämlich gaben gerade nationalistische, klerikale und reaktionäre Kreise antisemitische Schriften heraus, sie organisierten den Boykott jüdischer Geschäfte sowie den Numerus clausus und den numerus nullus an den Universitäten, was auch Teil der Offensive der Nationaldemokraten gegen die toleranteren Pilsudski-Anhänger war.
Turowicz bezeichnete „Shoah“ als hervorragendes Werk, das allerdings den Polen und der Kirche nicht gerecht werde. „Natürlich“, bekannte der katholische Publizist, „sind die Gründe für den polnischen Antisemitismus auch in der Religion zu suchen, im Christentum, das dem gesamten jüdischen Volk die Verantwortung für den Tod Christi am Kreuz aufbürdet. Tatsache ist, daß vor dem Krieg antisemitische Haltungen in der katholischen Gesellschaft Polens, die Geistlichkeit nicht ausgeschlossen, ziemlich verbreitet waren.“ Die katholische Kirche habe sich jedoch in den letzten Jahrzehnten und besonders in den Dokumenten des Zweiten Konzils für den Abbau antisemitischer Haltungen eingesetzt; freilich sei diese Lehre „noch nicht in ausreichendem Maße zu den breiten Massen der katholischen Gesellschaft vorgedrungen. Wir haben Unser Gewissen noch nicht zu Ende erforscht.“ Die Gründe für den Antisemitismus nach dem Krieg hält Turowicz für ausschließlich politischer Natur. Meiner Ansicht nach macht er es sich dabei etwas zu leicht, denn Tygodnik Powszechny schreibt heute zwar voller Sympathie und Hochachtung über die Juden und ihre Kultur, auch über die Partei-Dissidenten, doch die antisemitische Vergangenheit der Kirche wird dort in einen Mantel des Schweigens gehüllt.
Im übrigen halten auch einige Publizisten des politischen Establishments wie K. Kakol und M. Dobrosielski weiterhin daran fest, daß es 1968 beim Kampf gegen den Zionismus tatsächlich nur um den Zionismus gegangen sei.
Als einer der am meisten geachteten katholischen Philosophen vorschlug, daß Polen und Juden einander verzeihen mögen, widersprachen zwei führende Publizisten jener Zeitung vehement: Das polnische Volk habe dem jüdischen Volk nichts zu verzeihen. Die Formel, die Kardinal Wyszynski und die polnischen Bischöfe im Jahre 1966 an die deutschen Bischöfe gerichtet hatten, „Wir vergeben und bitten um Vergebung“, wurde für die polnisch-jüdischen Beziehungen als nicht geeignet empfunden. Einer der führenden liberalen Publizisten Polens, K. T. Toeplitz, schrieb, daß man in Fragen des Rassenhasses ebensowenig vergeben dürfe, wie Christus den Pharisäern vergeben habe.

Alle Diskussionsteilnehmer stimmten darin überein, daß Lanzmann die Polen in einem Zerrspiegel gezeigt und zum Beispiel ihren heldenhaften Einsatz zur Rettung von Juden völlig außer acht gelassen habe. In einem solchen Fall drohte damals der gesamten polnischen Familie die sofortige Todesstrafe. Das gleiche galt für alle Bewohner eines Hauses, in dem jemand gewagt hatte, einem Juden eine Krume Brot zuzustecken. Und was bedeutete es erst, einen Juden monatelang versteckt zu halten!
Lanzmann ist es gelungen, die Polen empfindlich zu kränken und gegen sich zu verbünden, was jedoch wohl kaum in seiner Absicht lag. Der einzige Nutzen, den die Aufführung von „Shoah“ in Polen gehabt hat, ist darin zu sehen, das nun über ein Thema diskutiert wird, das bislang, da es zu schmerzlich war, als Tabu galt.
Aus dem Polnischen von Lisaweta Zitzewitz 
QUELLE: http://www.zeit.de/1986/11/die-fahne-beschmutzt


Der Letzte der Ungerechten (2013) wird hoffe ich bald auch auf DVD erscheinen, als Buch kann man die Interviews schon bestellen.

 Zum Trailer bitte klicken!
Quelle: Arte Journal

Die Holocaust-Dokumentation: "SHOAH" 
hat ihn weltberühmt gemacht.

Nun bringt Regisseur Claude Lanzmann seinen Film: "Der letzte der Ungerechten" i
n die Kinos. Es ist ein einzigartiges Gesprächsdokument aus dem Jahre 1975. Damals hatte Lanzmann Benjamin Murmelstein getroffen. Er war der letzte Vorsitzende des Judenrates aus dem Ghetto Theresienstadt. Lanzmann hat die Gespräche wieder aus dem Archiv geholt und inszeniert. Es geht um die Frage, ob Murmelstein ein Held oder ein Verräter ist. Unsere Autorin Fanny Lépine hat den Regisseur in Paris getroffen.


ARTE: Hier bitte klicken!



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Hört und seht wie gut der HErr ist, lasst euch segnen und erlebt neue Freude in eurem Leben.
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Re: Claude Lanzmann

Beitrag  Ilan am 2/4/2014, 17:48

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