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Einiges um Adenauer

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Einiges um Adenauer

Beitrag  Admin am 25/12/2013, 14:52



..


25. November 1949: Artikel des Herausgebers Marx über das Interview mit dem Bundeskanzler für die "Allgemeine. Wochenzeitung der Juden in Deutschland"
Bekenntnis zur Verpflichtung
 
Es war der Wunsch Dr. Konrad Adenauers, in einem Interview mit dem Herausgeber der "Allgemeinen[.] Wochenzeitung der Juden in Deutschland", Karl Marx, einmal klar auszusprechen, wie er zu den die Juden bewegenden Fragen, insbesondere zur Frage des Antisemitismus steht. Bei dieser Unterhaltung, die am 11. November im Arbeitszimmer des Bundeskanzlers in Bonn stattfand, waren sein persönlicher Referent, Ministerialdirigent Blankenhorn, und Direktor Siegfried Seelig, Düsseldorf, anwesend.
Das nachstehende Interview wird dazu geeignet sein, in der Zukunft Klarheit in den uns besonders interessierenden Fragen zu schaffen. Wenn es darüber hinaus ein Pfeiler zu der Brücke zwischen der Bundesregierung und den Juden in Deutschland und der Welt sein wird, dann erfüllt sich damit nicht nur ein von Dr. Adenauer ausgesprochener Wunsch, sondern auch die Hoffnung vieler jüdischer Gemeinden.
Bundeskanzler Dr. Adenauer erwartete uns und begrüßte uns mit besonders warmen Worten. Er betonte einleitend, er freue sich, die Möglichkeit zu haben, mit uns über unsere Probleme zu sprechen. Ein für allemal wolle er den Standpunkt der Bundesregierung und darüber hinaus auch seinen persönlichen zu der Frage der Juden in Deutschland formulieren.
Während er sprach, beobachtete ich ihn. So bot sich Gelegenheit, die Schilderungen über diesen Mann mit meinen persönlichen Eindrücken zu vergleichen.
Dr. Adenauer gedachte mit echter Wehmut seiner vielen jüdischen Freunde, deren Freundschaft ihm über die vergangenen schrecklichen Jahre hinweg erhalten blieb. Mit besonderer Betonung sprach er von dem großen Anteil der Juden am kulturellen Leben im einstigen Deutschland, mit großer Verehrung nannte er Namen. In trauriger Erinnerung schob er ein: "Als ich 1933 aufhörte, Oberbürgermeister von Köln zu sein, da waren es zwei Kölner Juden, die am gleichen Tage zu mir kamen und mir ihre finanzielle Hilfe anboten. Ich werde das ebensowenig vergessen wie den Tod meiner engsten Freunde."
Als ich ihm sagte, daß wir seit viereinhalb Jahren vergeblich auf eine klare Stellungnahme einer der verantwortlichen Politiker - auch von ihm - gewartet haben, sagte er: "Es war 1945 mein größter Wunsch - ich brachte ihn dem damaligen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Köln gegenüber zum Ausdruck -, ich werde Eure Synagogen, Eure Krankenhäuser und Eure Schulen wiederaufbauen. Und die verbitterte Antwort lautete: 'Wir brauchen das nicht mehr in Deutschland.' Diese Antwort erschütterte mich, ich werde sie nie vergessen, und sie war vielleicht dafür maßgebend, daß ich glaubte, die Frage nicht mehr berühren zu dürfen, um nicht wieder alte Wunden aufzureißen. Ihr Bericht zeigte mir", so fuhr er fort, "daß dies falsch war. Die Fülle der antisemitischen Vorfälle veranlaßt mich, in der Zukunft eine klare und deutliche Sprache zu führen. Ich werde von nun an jüdische Fragen nicht verschweigen."
Und als ich Dr. Adenauer andeutete, daß die Äußerungen in seiner ersten Regierungserklärung, Antisemitismus in Deutschland sei unvorstellbar, in den jüdischen Kreisen in Deutschland und im Ausland tiefe Enttäuschung ausgelöst habe, da meinte er: "Ich glaube in dem Worte 'unvorstellbar' das Kräftigste meines Sprachschatzes gefunden zu haben. Es ist unvorstellbar, daß es in Deutschland noch Menschen gibt, die nach all dem, was geschehen ist, noch Antisemiten sind, die Friedhöfe oder gar Gotteshäuser schänden können."
Wir sprachen auch über die Konzentrationslager, über die vielen unvergeßlichen schrecklichen Namen, auch über Maidanek. Dr. Adenauer ließ sich im einzelnen sagen, was mir über die KZs bekanntgeworden ist. Immer wieder schüttelte er den Kopf und sagte: "unvorstellbar".
Siegfried Seelig erörterte mit dem Bundeskanzler einige wirtschaftliche Möglichkeiten, Fragen der Wiedergutmachung und des Transfers. Dr. Adenauer zeigte sich an allen diesen Fragen sehr interessiert.
Schließlich kam der Bundeskanzler auf die jüdischen Gemeinden in Deutschland zu sprechen. Er erkundigte sich nach dem Nachwuchs und der organisatorischen Zusammensetzung. "Jüdische Gemeinden", so meinte er, "sollen und müssen in Deutschland bestehenbleiben. Deutschland braucht das jüdische Element, braucht den jüdischen Geist."
Nach eineinhalb Stunden brachen wir - nicht Dr. Adenauer - mit Rücksicht auf die vielen Besucher im Vorzimmer die Unterhaltung ab. Aber noch eins sagte er: "Ich habe mit Bewunderung und Begeisterung die Entwicklung des Staates Israel beobachtet. Ich freue mich über die Erfolge und bin sicher, daß die Entwicklung dieses jungen Staates günstig sein wird."
Und hier die von mir gestellten Fragen und die Antworten Dr. Adenauers:
Frage: Gewisse Kreise vertreten immer wieder die These, daß die Betonung des christlichen Charakters der CDU eine antijüdische Tendenz umschließe. Wollen Sie, Herr Bundeskanzler, zu dieser Frage eine Erklärung abgeben?
Antwort: In der ersten Regierungserklärung vor dem Bundestag habe ich im Namen der Regierung und der hinter ihr stehenden politischen Kräfte betont, daß unsere Arbeit getragen sein wird von dem Geist christlich-abendländischer Kultur und der Achtung vor dem Recht und der Würde des Menschen. In der Zeit des Hitlerregimes ist die Achtung vor der Würde des Menschen gründlich zerstört worden. Die Entwertung des Menschen zu einem Objekt staatlicher Zwecke ist eines der erschreckendsten Symptome jener Zeit gewesen. Wir wollen als Christen die Achtung vor dem Menschen ohne Rücksicht auf seine konfessionelle, rassische oder völkische Zugehörigkeit wiederherstellen. Im Geiste dieser Toleranz sehen wir in unseren jüdischen Landsleuten vollberechtigte Mitbürger. Wir wünschen, daß sie mit gleichen Rechten und Pflichten am geistigen, politischen und sozialen Aufbau unseres Landes teilhaben. Wir können und wollen ihre Mitarbeit nicht entbehren. Darin sehen wir in diesem Zusammenhang den Sinn des Begriffs "christlich".
Frage: Glauben Sie, Herr Bundeskanzler, daß durch die gegen Deutsche nach dem Kriege getroffenen Maßnahmen, z.B. bei der Austreibung aus den Ostgebieten, das Unrecht, das im Namen des deutschen Volkes bis 1945 geschehen ist, kompensiert werden kann? Diese Auffassung wird vielfach vertreten.
Antwort: Unrecht und Leid, das über Menschen gebracht wurde, kann niemals kompensiert werden durch Unrecht oder Leid, das über andere Menschen gebracht wird. Das deutsche Volk ist gewillt, das Unrecht, das in seinem Namen durch ein verbrecherisches Regime an den Juden verübt wurde, soweit wiedergutzumachen, wie dies nur möglich ist, nachdem Millionen Leben unwiederbringlich vernichtet sind. Diese Wiedergutmachung betrachten wir als unsere Pflicht. Für diese Wiedergutmachung ist seit 1945 viel zu wenig geschehen. Die Bundesregierung ist entschlossen, die entsprechenden Maßnahmen zu treffen.
Frage: Für uns ist die Wiedergutmachung nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine moralische Frage. Was gedenkt die Bundesregierung zu tun, um diese Wiedergutmachung zu fördern?
Antwort: Die moralische Wiedergutmachung ist ein Teil unseres rechtsstaatlichen Wiederaufbaues.
Die Bundesregierung wird aufmerksam über die Einhaltung des Grundrechtsartikels wachen, der es verbietet, irgend jemand wegen seiner Abstammung, seiner Rasse oder seines Glaubens zu benachteiligen. Ich möchte keinen Zweifel darüber lassen, daß die Schändung jüdischer Kultstätten und die Verwüstung jüdischer Friedhöfe, die leider in den vergangenen Jahren immer noch vorgekommen sind, ohne Nachsicht geahndet und bestraft werden. Es ist Pflicht vor allem der Gemeinden, die jüdischen Kultstätten nicht nur in ihren Schutz zu nehmen, sondern, soweit nötig, den Wiederaufbau zu unterstützen. Ich habe in der ersten Regierungserklärung bereits angekündigt, daß wir gegen radikale Tendenzen nötigenfalls von den Rechten, die die Gesetze uns geben, entschlossen Gebrauch machen. Wir werden dies in aller Schärfe gegen antisemitische Tendenzen in der Presse oder im öffentlichen Leben tun, wenn sich dies als nötig erweist. Wir werden jeden Antisemitismus nicht nur bekämpfen, weil er uns innen- und außenpolitisch unerwünscht ist, sondern weil wir ihn aus Gründen der Menschlichkeit mit aller Entschiedenheit ablehnen. In Ausführung der Grundrechtsartikel des Grundgesetzes sind uns alle gesetzlichen Voraussetzungen gegeben, diesen unseren Willen in die Tat umzusetzen und die Juden vor jeder Diskriminierung zu schützen. Wir werden die Juden gegen jede Möglichkeit neuer Verfolgungen sichern.
Ihre besondere Aufmerksamkeit wird die Bundesregierung dem Ausgleich der den jüdischen Staatsangehörigen zugefügten wirtschaftlichen Schäden widmen. Die bestehende Gesetzgebung bedarf hier mancher Verbesserung und Ergänzung. Der Staat Israel ist die nach außen sichtbare Zusammenfassung der Juden aller Nationalitäten. Die Bundesregierung beabsichtigt, dem Staat Israel Waren zum Wiederaufbau im Werte von 10 Millionen DM zur Verfügung zu stellen, und zwar als erstes unmittelbares Zeichen dafür, daß das den Juden in aller Welt von Deutschen zugefügte Unrecht wiedergutgemacht werden muß.
Die lange Verfolgung der Juden in Deutschland während der nationalsozialistischen Zeit hat eine Reihe von Problemen entstehen lassen, über die die Bundesregierung sich laufend unterrichten lassen muß. Es wird deshalb im Bundesministerium des Innern ein Referat eingerichtet und einem deutschen Juden übertragen werden, das sich mit diesem Problem befaßt. Die Einrichtung dieses Referats soll gleichzeitig den in Deutschland lebenden Juden die Gewißheit geben, daß seitens der Bundesregierung alles geschieht, um ihre staatspolitischen Rechte in vollem Umfange zu wahren.
Frage: Die jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung, insbesondere die Angehörigen der in Konzentrationslagern getöteten Juden, verfolgen mit Besorgnis die Tendenz, die für die Vernichtung verantwortlichen politischen Elemente zu amnestieren und die Verfolgung von Menschlichkeitsverbrechen einzustellen. Beabsichtigt die Bundesregierung, Schritte in dieser Richtung zu tun?
Antwort: Ich habe vor dem Bundestag bereits erklärt, daß die Bundesregierung der Auffassung ist, daß durch die Denazifizierung viel Unheil und Unglück angerichtet worden ist, daß jedoch die wirklich Schuldigen an den Verbrechen, die in der nationalsozialistischen Zeit und im Kriege begangen worden sind, mit aller Strenge bestraft werden sollen. Diese Auffassung wird von der Bundesregierung unverändert vertreten. Verbrecher, die sich der Vernichtung von Menschenleben schuldig gemacht haben, sind einer Amnestierung nicht würdig und werden auch in Zukunft der ihnen zukommenden Strafverfolgung ausgesetzt sein.
Quelle: Allgemeine. Wochenzeitung der Juden in Deutschland. 4. Jg. Nr. 33 vom 25. November 1949, S. 1. http://www.konrad-adenauer.de/dokumente/interviews/interview-marx

1965
„Die Macht der Juden auch heute noch, insbesondere in Amerika, soll man nicht unterschätzen. Und daher habe ich sehr überlegt und sehr bewußt – und das war von jeher meine Meinung – meine ganze Kraft daran gesetzt, so gut es ging, eine Versöhnung herbeizuführen zwischen dem jüdischen Volk und dem deutschen Volk.“

Aussage aus folgendem Gespräch: Günter Gaus im Gespräch mit Konrad Adenauer

Ich habe mich nie beirren lassen

Konrad Adenauer, geboren am 5. Januar 1876 in Köln, gestorben am 19. April 1967 in Rhöndorf.
Sohn des Kanzleirats Konrad Adenauer. Studium der Rechtswissenschaft und der Volkswirtschaft. 1906 Beigeordneter der Stadt Köln und Mitglied der Zentrumspartei. 1917 bis zum 12. März 1933 Oberbürgermeister von Köln.
Mehrfach war er als Kandidat für das Amt des Reichskanzlers genannt worden, ehe ihn die Nazis absetzten. Von 1920 bis 1933 Mitglied und Präsident des Preußischen Staatsrates. Rückzug von der Politik. Nach dem 20. Juli 1944 vorübergehend verhaftet.
Nach 1945 Gründungsmitglied der CDU. Im Mai 1945 zum Oberbürgermeister von Köln ernannt, im Oktober 1945 „wegen Untätigkeit“ entlassen. 1948 Vorsitzender des Parlamentarischen Rates – damit einer der „Väter des Grundgesetzes“ und der „Kanzlerdemokratie“.
Am 15. September 1949 zum ersten Bundeskanzler gewählt, 1963 von Ludwig Erhard abgelöst. Konrad Adenauer gilt als der entschiedenste Verfechter der deutschen Wiederbewaffnung und des Beitritts zur NATO.
Forcierte die europäische Einigung als Antwort auf die US-amerikanische Entspannungspolitik (seit 1959/60).
Vorsitzender der CDU bis zu seinem 90. Lebensjahr 1966, danach Ehrenvorsitzender der Christlich-Demokratischen Union und Mitglied des Deutschen Bundestags bis zu seinem Ableben.
Das Gespräch wurde gesendet kurz vor Adenauers 90. Geburtstag, am 29. Dezember 1965.


Gaus: Herr Dr. Adenauer, man hat Sie oft „Kanzler der einsamen Entschlüsse“ genannt; ein Beiname, den Sie sich gleich zu Anfang Ihrer Kanzlerschaft durch die Art Ihrer Verhandlungen mit den Hohen Kommissaren der drei westlichen Besatzungsmächte erwarben: Es waren Verhandlungen, die Sie von deutscher Seite weithin selbständig und sozusagen als Alleinvertreter der Westdeutschen führten. Halten Sie den Beinamen „Kanzler der einsamen Entschlüsse“ für zutreffend, oder lehnen Sie ihn ab?

Adenauer: Ich halte ihn nicht für zutreffend. Ich habe in allen wichtigen Fällen mich vorher der Zustimmung versichert, entweder des Parteivorstandes oder der Bundestagsfraktion oder auch des Bundestages. Allerdings, die Verhandlungen mit den Hohen Kommissaren musste ich allein führen. Die Herren wünschten nicht, dass so viele anwesend waren, und es wäre auch nicht gut gewesen. Es war gut, dass sie einem geschlossenen und entschlossenen Willen gegenüberstanden.

Gaus: Und Sie glauben, dass dieser geschlossene und entschlossene Wille sich eher herbeiführen ließ, weil Sie allein waren? Sind Sie ein Bundeskanzler gewesen, der, wann immer er in die Lage kam, allein entscheiden zu müssen, sich am sichersten fühlte?

Adenauer: Wenn ich in die Lage kam, mich allein entscheiden zu müssen, und die Überzeugung hatte, dass ich das Material, das zum Treffen einer Entscheidung nötig war, wirklich vor mir gehabt hatte, war ich ruhig im Treffen einer Alleinentscheidung.

Gaus: Die Charakterisierung also, Kanzler der einsamen Entschlüsse zu sein, hat Sie nie als Vorwurf berührt? Sie haben das mit Gelassenheit getragen?

Adenauer: Herr Gaus, Sie schreiben ja Bücher. Sind Sie da nicht ein Mann der einsamen Entschlüsse? Fragen Sie vorher Kollegen, was Sie schreiben sollen?

Gaus: Sie wollen den Schriftsteller mit dem Regierungschef in dieser Frage gleichsetzen?

Adenauer: Ja, oder mit irgend jemand anderem. Der Arzt, der Rechtsanwalt oder wer es auch immer ist, der muss auch seine Entschlüsse fassen.

Gaus: Und es hat für Sie nie eine Last bedeutet, Entschlüsse fassen zu müssen?

Adenauer: Nein.

Gaus: Herr Bundeskanzler, wie mussten Ihre Mitarbeiter beschaffen sein, welche Eigenschaften, welche Talente mussten sie vor allem haben, damit sie für den Bundeskanzler Adenauer die geeigneten Helfer waren?

Adenauer: Sie mussten natürlich klug sein und mussten fleißig sein, und sie mussten auch eine Meinung haben. Aber sie mussten sich anpassen können, denn alle wichtigen Sachen wurden im Kabinett vorgetragen. Und im Kabinett muss schließlich eine Meinung die des Kabinetts sein. Und dann haben alle sich dieser Meinung anzupassen.

Gaus: Hätten Sie einen Mitarbeiter, der sich auch am Ende nicht anpassen konnte, nicht gebrauchen können?

Adenauer: Wenn das wiederholt vorgekommen wäre, hätte ich ihn gebeten, doch auf seine Dienste verzichten zu können, denn schließlich muss – das ist eine der wesentlichen Aufgaben – der Bundeskanzler dafür sorgen, dass das Kabinett geschlossen ist.

Gaus: Man hat Sie gern, Herr Dr. Adenauer, den großen Vereinfachter der Politik genannt. Halten Sie diese Charakterisierung für lobend oder für abwertend?

Adenauer: Das halte ich für ein ganz großes Lob, denn in der Tat, man muss die Dinge auch so tief sehen, dass sie einfach sind. Wenn man nur an der Oberfläche der Dinge bleibt, sind sie nicht einfach; aber wenn man in die Tiefe sieht, dann sieht man das Wirkliche, und das ist immer einfach. Ob das angenehm ist, das ist eine andere Frage.

Gaus: Angenehm für wen?

Adenauer: Für den, der überlegt.

Gaus: Haben Sie selbst gelegentlich unter dieser Ihrer Vereinfachungsgabe gelitten, wenn das, was Sie dann erkannten, bitter und schmerzlich war?

Adenauer: Nein. Wenn ich nachdenke, wüsste ich Ihnen nicht zu sagen, warum ich darunter hätte leiden sollen. Man musste mit den Dingen als Kanzler umzugehen wissen, und je klarer und einfacher man sie sah, desto mehr Aussicht auf Erfolg hatte man, oder man ließ seine Finger davon.

Gaus: Haben Sie das Kanzleramt jemals als Last empfunden?

Adenauer: Das ist eine sehr nachdenklich stimmende Frage. – O ja, es waren auch oft bittere Enttäuschungen damit verbunden, und dann war man wirklich sehr niedergedrückt.

Gaus: Was war die bitterste Enttäuschung, die Sie in Ihrer Zeit als Regierungschef erlebt haben?

Adenauer: Die bitterste Enttäuschung und der größte Rückschlag für die gesamte Politik war nach meiner Meinung der Rückschlag in der Frage der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft. Wie Sie wissen, war der Vertrag in der französischen Kammer schließlich ohne Diskussion ad acta gelegt worden ...

Gaus: ... im Jahre 1954 ...

Adenauer: ... und das war ein sehr harter Schlag. Schuld daran trägt die französische Kammer. Aber Schuld daran trägt auch der Bundestag. Diese ganze Frage hat mehrere Jahre im Bundestag verbracht, es waren die größten Schwierigkeiten, man hatte auch den Bundespräsidenten Heuss dagegen eingenommen. Er wollte ein Verfassungsgutachten einholen. Und wenn Sie sich vorstellen, welchen Eindruck das auf der französischen Seite machen musste, wenn sie sah, dass auf der deutschen Seite solche Schwierigkeiten herrschten, wie sie zutage traten: dass sie dann schließlich der ganzen Sache nicht mehr rechten Glauben schenkte, muss man verstehen. Wenn Sie sich jetzt aber vorstellen, wie anders es in Europa gekommen wäre, wenn der Vertrag seinerzeit von allen Beteiligten angenommen worden wäre! Die Annexverträge zu dem Vertrag, die mit England und mit den Vereinigten Staaten abgeschlossen waren, waren lange ratifiziert, da schwebte es noch immer zwischen den Hauptbeteiligten – das waren Frankreich und Deutschland – und schließlich zerbrach das Ganze. Das war ein furchtbarer Schlag.

Gaus: Weil Sie der Meinung sind, dass durch das Scheitern der EVG die gesamte europäische Entwicklung eine Kehrtwendung erfahren hat? Ist das der Grund, warum es für Sie besonders bitter war?

Adenauer: Es waren ja zwei Probleme, um die es sich handelte: erstens die Wiederbewaffnung Deutschlands und zweitens einen ganz großen Schritt nach vorn in der Richtung einer Bildung Europas. Eden und Foster Dulles sind dann dafür eingetreten, dass wir in die NATO gekommen sind, und dem hat sich Frankreich dann auch gefügt, während ursprünglich Frankreich darauf bestehen wollte, dass wir überhaupt keine Waffen bekommen sollten. Und die Frage Europa, die europäische Entwicklung: Nun, in dem EVG-Vertrag waren ja alle die Fragen, um die man sich jetzt streitet seit Jahr und Tag, enthalten und wären gelöst gewesen.

Gaus: Herr Adenauer, Sie haben jetzt gesagt, was die bitterste Enttäuschung für Sie war während Ihrer Kanzlerzeit. Sagen Sie mir nun bitte, welche von den Entscheidungen, die getroffen worden sind, war für Sie die schwerste? Das Angebot der Bewaffnung der Bundesrepublik etwa oder die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Moskau?

Adenauer: Keine von den beiden Entscheidungen war irgendwie schwierig für mich.

Gaus: Ich stelle mir doch vor, dass die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Moskau für Sie eine sehr schwierige Entscheidung war, und ich bin überrascht, dass Sie sagen, sie sei nicht schwierig gewesen.

Adenauer: Ich bin damals nach Moskau hingefahren mit einer Delegation, bestehend aus Mitgliedern der Regierung und aus Mitgliedern des Bundestags. Und die Verhandlungen in Moskau waren zuerst sehr heftig. Chruschtschow war ein sehr temperamentvoller Mann. Aber wenn man mir eine Faust entgegenhielt, habe ich auch eine Faust entgegengehalten. Und schließlich war das Klima dort nicht schlecht. Dann war mir angeboten worden die Freigabe aller Gefangenen, die die Russen noch hatten. Die Russen behaupteten zuerst, sie hätten überhaupt keine Gefangenen mehr; was sie zurückgehalten hätten, seien wegen Kriegsverbrechen Verurteilte. Aber es sind dann später 38.000 geworden, die zurückgekommen sind. Und ich darf hier doch wohl eines sagen: Die Russen haben das mir gegebene Versprechen sehr korrekt eingehalten in der Freilassung der Gefangenen, außerordentlich korrekt und gewissenhaft.

Gaus: War also die Aufnahme diplomatischer Beziehungen der Preis, den Sie zahlen mussten für die Freigabe der Gefangenen, und ist Ihnen das schwergefallen?

Adenauer: Aber ich bitte Sie, wie kann man von Preis sprechen. Wenn man etwas haben will von einem Land, mit dem man keine diplomatischen Beziehungen unterhält, bekommt man doch sicher nichts. Und ich habe eigentlich gar nicht eingesehen, warum wir nicht die diplomatischen Beziehungen eingehen sollten.

Gaus: Sind seinerzeit alle Ihre Ratgeber dieser Meinung gewesen?

Adenauer: Nein, einige Mitglieder der Regierung, aber auch einige Parlamentarier waren anderer Meinung. Aber ich habe mich dadurch nicht beirren lassen.

Gaus: Ist das vielleicht ein einsamer Entschluss gewesen?

Adenauer: Nein, ich hatte ja einige Gefährten dabei. Aber es hätte ruhig ein einsamer Entschluss werden können.

Gaus: Sagen Sie mir bitte eines, Herr Dr. Adenauer: Bei allem politischen und gesellschaftlichen Wandel, den Sie in Ihrem langen Leben gesehen und mitgemacht haben – welche Prinzipien haben Sie über all die Jahre hinweg als die dauerhaftesten und wichtigsten bewahrt?

Adenauer: Sie werden vielleicht erstaunt sein über meine Antwort: Alle politischen Verhandlungen können nur zu einem fruchtbaren Ergebnis führen, wenn man sich gegenseitig vertraut. Man vertraut sich aber nur gegenseitig, wenn man den Gegner, den Vertragsgegner, den Verhandlungsgegner kennen gelernt hat als einen Mann, der ehrlich ist und wahrhaftig ist. Also nach meinen Erfahrungen ist Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit die Grundlage des Vertrauens, des gegenseitigen Vertrauens, und das gegenseitige Vertrauen ist wieder die Grundlage zu fruchtbaren Verhandlungen.

Gaus: Nun sagt man, dass ein Politiker nicht in allen Fällen immer der vollen Wahrheit die Ehre geben kann, Herr Dr. Adenauer. Und Sie selbst haben einmal von drei Arten der Wahrheit gesprochen. Wenn also das gegenseitige Vertrauen herzustellen für Sie das wichtigste Prinzip bei allem war, wie haben Sie das immer vereinbaren können mit den Tageserfordernissen der Politik? Hat Sie das manchmal beschwert?

Adenauer: Nun, ich muss Sie etwas korrigieren: Diese dreifache Art von Wahrheit habe nicht ich erfunden, sondern mein verstorbener Freund Robert Pferdmenges. Und als Scherz haben wir manchmal dann die Redewendung von ihm gebraucht. Nun werden Sie sagen, der Politiker kann nicht immer alles sagen; da haben Sie Recht. Aber das, was er sagt, muss wahr sein. Natürlich kann er nicht alles immer sagen; das ist so selbstverständlich, dass ich kein Wort dazu zu sagen brauche. Aber der Politiker soll in dem, was er sagt, ehrlich sein.

Gaus: Er soll nicht schwindeln, meinen Sie.

Adenauer: Er soll nicht schwindeln. Lügen haben kurze Beine.

Gaus: Notlügen sind erlaubt?

Adenauer: Notlügen gibt es dabei nicht. Man ist immer in Not und würde dabei immer lügen, wenn Notlügen erlaubt wären.

Gaus: Sie haben nie geschwindelt als Bundeskanzler vor der Öffentlichkeit? Es war nie nötig? Sie sind mit Verschweigen immer durchgekommen?

Adenauer: Mit Schweigen, nicht mit Verschweigen. Ich bitte doch festzuhalten, was da für ein Unterschied ist. In der Politik versteht jeder, wenn der Vertragspartner zu hören bekommt: Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich hierauf keine Antwort gebe.

Gaus: Ein großer Einschnitt im Leben Ihrer Generation war politisch und gesellschaftlich der Zusammenbruch des wilhelminischen Kaiserreichs 1918. Hat das für Sie viel bedeutet?

Adenauer: Ich war damals Oberbürgermeister von Köln, und ich sah und fühlte fortwährend, dass das ganze System schon seit einiger Zeit am Zusammenbrechen war. Wir waren in Köln. Köln war die nächste große Festung bei der Grenze, überfüllt mit Deserteuren. Und als nun der Zusammenbruch kam, da hatte ich alle Hände voll zu tun, damit Ruhe und Ordnung in der Stadt herrschten, so dass ich gar nicht dazu kam, lange Reflexionen anzustellen, ob Wilhelm II. richtig gehandelt habe oder nicht, als er nach Holland gegangen ist.

Gaus: Den gesellschaftlichen Wandel, der damit verbunden war im Laufe der nächsten Jahrzehnte, haben Sie im Großen und Ganzen gutgeheißen? Oder haben Sie die gesellschaftliche Ordnung vor 1918, die stärkere Bindung an gesellschaftliche Gruppen als sympathischer empfunden?

Adenauer: Sie gebrauchen den Ausdruck „gesellschaftliche Bindung“. Ich würde sagen: die Kastenbildung. Und Kastenbildung ist schlecht. Natürlich habe ich diese Entwicklung zur Demokratie hin außerordentlich begrüßt.

Gaus: Herr Dr. Adenauer, ich möchte Sie nun nach Ihrem Verhältnis zu einigen Menschen befragen, die in Ihrem politischen Leben eine besondere Rolle gespielt haben. Zunächst bitte: Worauf gründete sich, weit über die Politik hinaus, Ihr besonders gutes Verhältnis zu John Foster Dulles, dem amerikanischen Außenminister?

Adenauer: John Foster Dulles und mich verband schon nach relativ kurzer Zeit eine wirkliche Freundschaft. Ich glaube nicht, dass Dulles mich irgendwann einmal belogen hat, ebenso wenig wie ich ihn belogen habe Wir waren sehr offen miteinander. Aber das wichtigste war, dass auch seine Politik ebenso wie die meinige auf ethischer Grundlage beruhte, und daher fanden wir uns immer verhältnismäßig schnell und kamen auch über Gegensätze hinweg. Daraus entwickelte sich diese echte Freundschaft.

Gaus: Könnten Sie diese ethische Grundlage einmal skizzieren?

Adenauer: Das war die christliche Grundlage. John Foster Dulles war ein sehr christlich denkender Mensch. Ich hoffe, dass ich es auch war. Und so fanden wir uns leicht.

Gaus: Sie haben Dulles Ihren Freund genannt und haben vorhin schon in unserem Gespräch einen anderen Freund erwähnt: den Bankier Robert Pferdmenges. Wie musste ein Mensch beschaffen sein, damit er Ihr Freund werden konnte, zum Beispiel Pferdmenges?

Adenauer: Ja, wie soll ich Ihnen eine solche Frage beantworten? Freundschaft im späteren Alter ist sehr selten, da entsteht sie sehr selten. Aber Freundschaft entsteht aus einer Harmonie in den beiderseitigen Überzeugungen und aus dem Vertrauen, das man gewinnt. Robert Pferdmenges war namentlich mir gegenüber immer ein sehr ehrlicher und zuverlässiger Mensch, und so wurden wir Freunde. Und ich habe auch dafür gesorgt, dass er in die Politik eingetreten ist. Er wollte zuerst nicht, hat mir dann nachgegeben. Und ich habe seinen klugen und guten Rat namentlich in den letzten Jahren häufig vermisst.

Gaus: Herr Dr. Adenauer, ist es nicht auch so: Ein Mann in Ihrer hohen Position wird von vielen Menschen um etwas gebeten, viele wollen etwas von ihm; und war da nicht Pferdmenges beispielsweise jemand, der persönlich nichts von Ihnen wollte? Ist das nicht die Voraussetzung für Sie gewesen, Freundschaften zu schließen?

Adenauer: Pferdmenges hat für sich jedenfalls nie etwas von mir gewollt. Wenn er sonstige Wünsche hatte oder Ratschläge, dann waren diese Ratschläge wirklich immer begründet und gut fundiert und wurden auch so von ihm entwickelt.

Gaus: muss nicht ein Mensch in Ihrer Position zu einem Menschenverächter werden, wenn er die vielen sieht, die sich um ihn drängen, die etwas werden wollen, die etwas haben wollen?

Adenauer: Nun, ich würde den Ausdruck „Menschenverächter“ nicht gebrauchen. Aber natürlich, dass man die Schwächen der Menschen, mit denen sie nun mal behaftet sind, als Kalkül bei allen Überlegungen einschaltet, das ist wohl klar.

Gaus: Und das haben Sie getan?

Adenauer: Das habe ich getan.

Gaus: Darf ich nach einem weiteren Mann fragen, mit dem Sie besonders verbunden waren, wenn auch in Gegnerschaft? Was bestimmte Ihr Verhältnis zu Kurt Schumacher, dem ersten Nachkriegsvorsitzenden der SPD?

Adenauer: Man kann das sehr schwer Verhältnis nennen. Wir waren Gegner. Und diese Gegnerschaft erwuchs nicht allein aus entgegengesetzten Anschauungen, sondern sie erwuchs auch daraus, dass Herr Dr. Schumacher nicht einsehen konnte, dass die Sozialdemokratie nicht die größte Partei geworden war. Ich erinnere mich, dass uns zuerst zusammengebracht hat der spätere Ministerpräsident von Niedersachsen ...

Gaus: Hinrich Kopf ...

Adenauer: ... und zwar im Zonenbeirat Hamburg. Schumacher und ich, von Kopf dazu veranlasst, setzten uns zusammen und tauschten unsere Meinungen aus, über wichtige Dinge natürlich. Und zum Schluss sagte Herr Schumacher: Ich freue mich sehr, dass wir übereinstimmen, ich habe jetzt noch etwas. Sie sind eine sehr junge Partei, und wir sind eine sehr alte Partei, und wir sind eine sehr große Partei. Sie werden doch also darin beipflichten, dass wir die Führung haben müssten. Ich habe ihm darauf geantwortet: Herr Dr. Schumacher, dass Sie eine sehr alte Partei sind, weiß ich, dass Sie eine sehr große Partei sind, weiß ich, ob wir nicht größer sind, darüber wollen wir uns nach der ersten Wahl einmal aussprechen. Das hat Herr Schumacher mir sehr übelgenommen, zumal weil die erste Wahl danach zeigte, dass wir stärker waren als die SPD.

Gaus: Und Sie meinen, dies habe verhindert, dass Sie zu dem Führer der zweitstärksten Partei in ein rechtes Verhältnis kamen? Haben Sie das beklagt?

Adenauer: Er war ein sehr subjektiver Mann. Er hat auch, glaube ich, schwer körperlich zu leiden gehabt. Und er war – Sie werden erstaunt sein, wenn ich das sage – ein Nationalist, und das war ich nicht.

Gaus: War dies eine prinzipielle Schranke?

Adenauer: Eine ganz prinzipielle Schranke, jawohl.

Gaus: Sagen Sie mir bitte: Wie charakterisieren Sie den französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle? Was ist er für ein Mensch nach Ihren Eindrücken?

Adenauer: Herrn Charles de Gaulle habe ich in Colombey-les-deux-Eglises besucht auf seine Einladung hin, nachdem ich vorher seine Einladung, nach Paris zu ihm zu kommen, abgelehnt hatte, da ich als Vertreter eines besiegten Volkes ihn nicht in Paris aufsuchen könnte. Wir sind dann vierundzwanzig Stunden ganz allein zusammengeblieben, haben uns – nicht nach einem bestimmten Programm – über alle möglichen politischen Fragen unterhalten. Und de Gaulle hat eine ausgezeichnete Bibliothek, ich habe sie mir angesehen in Colombey-les-deux-Eglises. Er ist ein sehr kluger Mann, ist ein sehr weitblickender Mann und ein sehr erfahrener Mann. Ich habe also mit Herrn de Gaulle die denkbar besten Erfahrungen gemacht.

Gaus: Kann er in die Gefahr geraten, einem politischen Phantom nachzulaufen? Ist er ein Realist nach Ihren Erfahrungen?

Adenauer: Herr de Gaulle ist durchaus ein Realist, sogar sehr realistisch.

Gaus: Herr Adenauer, ihr politisches Lebensziel ist die Versöhnung Deutschlands und Frankreichs und, wie Sie oft betont haben, die Versöhnung zwischen dem deutschen und dem jüdischen Volk gewesen. Was hat Sie veranlasst, diese beiden Aufgaben als vorrangig zu behandeln, und wie glauben Sie, dass im Hinblick auf diese beiden Aufgaben die Zukunft aussieht?

Adenauer: Ich war und ich bin der Auffassung, dass ohne Lösung dieser beiden Aufgaben die Zukunft für das deutsche Volk ganz außerordentlich schwer wird. Frankreich und Deutschland sind Nachbarn, und wir werden immer Nachbarn bleiben. Wir haben Krieg gegeneinander geführt. Ich habe auf einem Schlachtfeld gestanden, wo Gräber von französischen und deutschen Soldaten aus dem Kriege 1870/71, aus dem Kriege1914-18 und aus dem letzten großen Krieg sind. Und wir beide haben dann den Vorbeimarsch abgenommen.

Gaus: De Gaulle und Sie?

Adenauer: De Gaulle und ich. Wir beide haben den Vorbeimarsch abgenommen, der französischen Truppen und der deutschen Truppen. Das hat auf mich einen ungewöhnlich tiefen Eindruck gemacht. Das war symbolisch für das Ganze. Wir werden dasselbe Schicksal haben. Wir haben, wie ich eben schon sagte, jahrelang Krieg geführt. Das muss vorbei sein, aber nicht nur das muss vorbei sein, wir müssen auch echte und wahre Freunde werden, die zusammen Politik machen. Denn gegenüber der ungeheuren Macht, die Sowjetrussland, das doch bis mitten in Deutschland steht, auf das ganze westliche Europa ausübt, werden wir nicht bestehen bleiben, wenn wir nicht fest zusammenhalten. Und was nun die Judenfrage angeht – ich darf vielleicht Ihre Frage so verstehen: Warum haben Sie die Judenfrage als eine ungemein wichtige Frage immer bezeichnet und sich danach auch verhalten? Erstens aus einem Gefühl der Gerechtigkeit. Wir hatten den Juden so viel Unrecht getan, wir hatten solche Verbrechen an ihnen begangen, dass sie irgendwie gesühnt werden mussten oder wiedergutgemacht werden mussten, wenn wir überhaupt wieder Ansehen unter den Völkern der Erde gewinnen wollten. Und weiter: Die Macht der Juden auch heute noch, insbesondere in Amerika, soll man nicht unterschätzen. Und daher habe ich sehr überlegt und sehr bewusst – und das war von jeher meine Meinung – meine ganze Kraft daran gesetzt, so gut es ging, eine Versöhnung herbeizuführen zwischen dem jüdischen Volk und dem deutschen Volk.

Gaus: Wie beurteilen Sie die Entwicklung des deutsch-französischen Verhältnisses seit Ihrem Rücktritt als Bundeskanzler?

Adenauer: Ich will Ihnen Ihre Frage beantworten. Leider hat das deutsch-französische Verhältnis sich nicht so entwickelt, wie ich mir das so gedacht hatte. Aber wir dürfen nicht nachlassen. Wenn zwei, die an sich von Natur aus dazu bestimmt sind, zusammen zu handeln – und das sind, wie ich eben schon sagte, Frankreich und Deutschland –, nicht zusammenkommen, soll man den Fehler nicht bei einem suchen, sondern gewöhnlich sind alle beide mit schuld daran; und beide sollen sich überlegen, wie sie es besser machen könnten.

Gaus: Erlauben Sie mir eine letzte Frage, Herr Adenauer. Wie beurteilen Sie die politische Reife des deutschen Volkes?

Adenauer: Das deutsche Volk hat in den letzten Jahrzehnten zu viel erleben müssen, vom Kriege ‘14 angefangen. Erst dieser Krieg, dann der Sturz der ganzen Monarchie in Deutschland, der Übergang in das republikanische Staatswesen, dann kam der Nationalsozialismus, der ja doch grauenhafte Verwüstungen auch moralischer Art in unserem Volke hervorgerufen hat; dann kam der letzte große Krieg; dann kam der deutsche Zusammenbruch, dann der deutsche Wiederaufbau. Wenn man einmal diese ganzen Erlebnisse sich klarmacht und die Reihenfolge, wie das über das deutsche Volk bald gut, bald schlecht hergegangen ist, dann wird man verstehen können, dass das deutsche Volk eben noch nicht aus dieser inneren Unruhe zu einer inneren Festigkeit und Stetigkeit gewachsen ist. Es fehlt uns auch, und das ist sehr wichtig, ein großer Teil der Männer im Alter zwischen 35 bis 55 Jahren, eventuell bis 60 Jahren. Sie sind im Kriege gefallen, sie sind früher gestorben, als sie unter normalen Verhältnissen gestorben wären. Und diese Schicht ist eben die Schicht, die einem Staatswesen doch Stetigkeit gibt, und die fehlt. Und Stetigkeit in der politischen Haltung ist doch ein Grundelement des politischen Erfolges. Und das deutsche Volk muss alles tun, was in seiner Kraft steht, um eine stetige Politik zu treiben. Ich kann das nicht oft genug wiederholen und darauf hinweisen, dass Stetigkeit in der Politik die Grundlage für das Vertrauen ist und damit auch die Grundlage für den Erfolg.

Sendung vom 29.12.1965
http://www.rbb-online.de/zurperson/interview_archiv/adenauer_konrad.html

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Teil 2

Beitrag  Admin am 25/12/2013, 15:05



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Adenauer fördert Antisemitismus...
VON GERD BUCERIUS
26. Februar 1960  07:00 Uhr 


... meinte Dr. Heinemann – Eine ernste Debatte im Bundestag endete übel


Von Gerd Bucerius
In seiner großen Debatte über den Antisemitismus am 18. Februar zeigte sich der Bundestag des ernsten Gegenstandes würdig. Die Parteien hatten nur ihre Besten auf das Rednerpodium geschickt. Daß alle Redner mit Anstand den Teil an der Schuld bekannten, den jeder von uns auf sich geladen hat, das war zu erwarten. Aber es geschah mehr. Die Abgeordneten fühlten, daß die antisemitische Welle sie – ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit – alle gemeinsam und in der gleichen Weise bedroht. Deshalb wandte sich kein Redner gegen die anderen Parteien. Jeder erforschte sein Gewissen, suchte nach seiner Schuld. Die Resolution, die von den Abgeordneten einstimmig angenommen wurde, hat endlich auch das Ausland beeindruckt. Berichte aus aller Welt beweisen: Die Debatte brachte eine Wende in der Diskussion um den deutschen Antisemitismus.
Es sah anders aus
Ein Zeitungsbericht über die Debatte des Bundestages? Nein, ein frei erfundener Text! In Wirklichkeit sah es – laut stenographischem Protokoll – am 18. Februar ganz anders aus.
Die Bundestags-Debatte hatte würdige, kluge, ja wegweisende Reden gezeitigt. Auch Dr. Heinemann, als Redner der SPD, hatte beachtenswerte Worte über das Verhältnis zwischen Christen und Juden, insbesondere zwischen Deutschen und Juden gesagt. Da brach er aus ...
Heinemann (SPD): Im vergangenen Monat hat die Äußerung eines Mannes, der in unser aller Namen spricht, größtes Aufsehen erregt, und ich muß fragen, ob sich in ihr nicht ein verführtes Denken darstellt. Was ich meine, sehr verehrte Damen und Herren, ist die Erklärung, die der Herr Bundeskanzler Dr. Adenauer am 22. Januar vor dem Papst in Rom abgegeben hat.
http://www.zeit.de/1960/09/adenauer-foerdert-antisemitismus



August H. Leugers-Scherzberg
Adenauers geheim gehaltenen Äußerungen im Londoner Claridge-Hotel oder der latente Antisemitismus des bundesdeutschen Gründungskanzlers


Ein informelles Gespräch des deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer am Rande der Londoner Neunmächtekonferenz mit dem luxemburgischen Ministerpräsidenten Joseph Bech und dem belgischen Außenminister Paul-Henri Spaak  ist  bis heute mit einer Aura des Geheimnisvollen umgeben. Am 28. September 1954, dem ersten Tag der Konferenz, saß Adenauer nach einem Dinner, das der britische Premier Winston Churchill den Konferenzteilnehmern in Downing Street 10 gegeben hatte, zu mitternächtlicher Stunde im Foyer des Londoner Luxushotels Claridge's noch mit Bech und Spaak bei einem Glas Whisky zusammen. Seinen Gesprächspartnern gegenüber machte Adenauer kein Hehl daraus, was er von der Politik und der Person des französischen Premiers Pierre Mendès-France hielt. Der französische Regierungschef hatte Ende August 1954 die mühsam ausgehandelte Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) als Herzstück einer europäischen Integration, die auch der Bundesrepublik die lang ersehnte Souveränität verschaffen sollte, in der Pariser Nationalversammlung scheitern lassen und suchte nun nach anderen Wegen, um eine für die französische Öffentlichkeit akzeptable Remilitarisierung Westdeutschlands zu bewerkstelligen. Dabei schwebte ihm ein lockerer westeuropäischer Verteidigungspakt vor, der im Gegensatz zur EVG keinerlei supranationale Elemente enthalten sollte. Da dies zugleich aber auch die Aufnahme der Bundesrepublik in die NATO ausschließen sollte, versuchte Adenauer Spaak und Bech mit zum Teil recht drastischen Szenarien davon abzuhalten, dem französischen Ministerpräsidenten auf diesem Weg zu folgen. [1]
Was das Gespräch später so berühmt machte, war die Tatsache, dass Lothar Rühl, der Pariser Korrespondent des Hamburger Nachrichtenmagazins Der Spiegel, der zur Berichterstattung nach London geschickt worden war, die drei Herren belauschte. Wie üblich, wenn in der britischen Hauptstadt internationale Konferenzen stattfanden, hatte sich kurz vor Mitternacht eine Reihe von deutschen Journalisten im weitläufigen Foyer des Londoner Claridge-Hotels eingefunden, um von der deutschen Delegation vielleicht noch das eine oder andere für ihre Tagesberichte in Erfahrung zu bringen. So hatte es sich auch Rühl in einer Ecke des Salons an einem Tischchen bequem gemacht, um vielleicht noch einen interessanten Gesprächspartner zu erwischen, als er bemerkte, dass am Nebentisch - durch eine Säule getrennt - Adenauer, Spaak und Bech ins Gespräch vertieft waren. Sofort begann Rühl damit, unbemerkt die Unterhaltung der drei Staatsmänner mitzuschreiben und sicherte sich damit den Stoff für eine Exklusivgeschichte, die in der nächsten Ausgabe des Spiegels erscheinen und für großes Aufsehen sorgen sollte. Seine neidischen Kollegen nannten ihn daraufhin nur noch abschätzig den "Säulen-Rühl". Die Süddeutsche Zeitung dagegen äußerte sich überschwänglich. Das Münchner Blatt attestierte dem jungen Journalisten, geradezu ein "weltpolitisches Gespräch" protokolliert und der deutschen Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu haben. Nicht zuletzt die im Spiegel veröffentlichten Kernaussagen prägten schließlich auch für lange Zeit das öffentliche Bild Adenauers als eines Politikers, der sich mit ganzem Herzen der europäischen Sache verschrieben habe. [2]
In der Spiegel-Ausgabe vom 6. Oktober 1954 konnte ein erstauntes Publikum die Kanzler-Worte lesen: "Ich bin fest überzeugt, hundertprozentig überzeugt davon, dass die deutsche Nationalarmee, zu der uns Mendès-France zwingt, eine große Gefahr für Deutschland und Europa werden wird - wenn ich einmal nicht mehr da bin, weiß ich nicht, was aus Deutschland werden soll, wenn es uns nicht doch noch gelingen sollte, Europa rechtzeitig zu schaffen." Und immer wieder warnte Adenauer vor dem deutschen Nationalismus: "Glauben Sie mir, die Gefahr des deutschen Nationalismus ist viel größer, als man denkt. Die Krise der europäischen Politik macht die Nationalisten dreist. Sie gewinnen an Selbstvertrauen und Anhang." Zudem appellierte der 78-jährige an seine Gesprächspartner: "Nutzen Sie die Zeit, solange ich noch lebe, wenn ich nicht mehr bin, ist es zu spät - mein Gott, ich weiß nicht was meine Nachfolger tun werden, wenn sie sich selbst überlassen sind; wenn sie nicht in fest vorgezeichneten Bahnen gehen müssen, wenn sie nicht an Europa gebunden sind." [3]
So bemerkenswert die Äußerungen sind, die Rühl seinen Auftraggebern übermittelte, so fielen an diesem Abend auch Worte, die so brisant waren, dass sich selbst der Vollblutjournalist nicht traute, sie an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen. Der Spiegel-Redaktion gegenüber verheimlichte er sie. Und noch Jahrzehnte später weihte er nicht einmal den Adenauer-Biografen Hans-Peter Schwarz in das Geheimnis um das mitternächtliche Gespräch im Claridge's ein. Ihm erzählte er, dass Adenauer sowohl Mendès-France als auch den deutschen SPD-Politiker Herbert Wehner für Einflussagenten der Sowjets hielt und seine Gesprächspartner bedeutungsvoll davor gewarnt habe: "Jedes Wort, das heute gesprochen worden ist, ist jetzt schon in Moskau." [4] Das allerdings waren Anschauungen, die man von Adenauer kannte und für die es sich nicht gelohnt hätte, sie gegenüber der Redaktion des Hamburger Nachrichtenmagazins zurückzuhalten.
Im politischen Bonn sprach sich rasch herum, dass Rühl in seinem Spiegel-Artikel etwas Wesentliches ausgelassen hatte. Drei Wochen später, anlässlich eines Mittagessens, zu dem Adenauer im Vorfeld der Unterzeichnung der Pariser Verträge geladen hatte und an dem auch die Spitzen der Opposition teilnahmen, brachte der FDP-Fraktionschef Thomas Dehler dies zur Sprache. Provokant stellte er den SPD-Vertretern die Frage, weshalb sie nicht in der letzten außenpolitischen Debatte des Bundestages jenen Teil der Äußerungen Adenauers aufgegriffen hätten, den Rühl zwar mitgeschrieben habe, der aber im Spiegel nicht veröffentlicht worden sei. Und Adenauer, durch diese Bemerkung aufgeschreckt, fragte nach, ob denn die Opposition solche Äußerungen tatsächlich in Händen halte? Herbert Wehner antwortete darauf kurz und knapp, er besitze sowohl das, was der Kanzler über den SPD-Chef Erich Ollenhauer, als auch das, was er über Pierre Mendès-France von sich gegeben habe. [5] Mehr sagte er dazu nicht und machte auch niemals öffentlich, was er darüber wusste.
Sein Nachlass gibt nun darüber Auskunft. In einer Notiz hat Wehner festgehalten, was er über den geheim gehaltenen Teil des mitternächtlichen Gesprächs in Erfahrung gebracht hatte. Demnach hatte Adenauer über den französischen Regierungschef geäußert: "Mendès-France ist ein Spieler ohne feste Konzeption. Sehen Sie mal: Mendès-France ist doch Jude. Wir haben Erfahrungen mit unseren deutschen Juden. Die haben alle einen nationalen Minderwertigkeitskomplex, den sie überkompensieren durch übersteigerten Nationalismus. Mendès-France will, wenn auf Kosten Europas und der Verteidigung Deutschland nieder gehalten wird, in Frankreich als guter Patriot gelten." [6] Diese Äußerungen bringen Licht in Nebenbemerkungen, die Rühl in seinem Artikel hatte fallen lassen, ohne dass ihr Bezug deutlich geworden wäre. So hatte der Journalist berichtet, dass Adenauer in seiner Unterredung mit Mendès-France am folgenden Vormittag eine auffallende Freundlichkeit an den Tag gelegt habe – und das gegenüber dem Staatsmann, „den er in seinem Mitternachtsgespräch mit Spaak und Bech nur ein paar Stunden vorher noch einen Spieler ohne feste Konzeption und einen ‚Nationalisten’ genannt hatte“. Auch hatte Rühl berichtet, dass nach dem Treffen mit dem französischen Regierungschef die „während der Unterhaltung heruntergewürgten Vorurteile ... im internen Kreis aus Konrad Adenauer wieder aus[brachen].“ Und er hatte dazu bemerkt:  „Sie taugen nicht zur Wiedergabe.“ [7]
Die Anspielung auf die jüdische Abstammung des französischen Ministerpräsidenten und der Hinweis auf die deutschen Erfahrungen mit "den Juden"  im Gespräch mit Bech und Spaak zeugen davon, dass Adenauers Einstellung zu seinem französischen Amtskollegen nicht nur durch politische Gegnerschaft, sondern auch von einem antisemitischen Vorurteil bestimmt wurde. [8] In der historischen Forschung ist immer wieder mit Verwunderung zur Kenntnis genommen worden, dass der bundesdeutsche Gründungskanzler gerade demjenigen französischen Politiker, der seine Politik im Krisenjahr 1954 zum Durchbruch verholfen hat, am wenigsten Dankbarkeit entgegenzubringen vermochte. [9] Das sorgsam gehütete Geheimnis um seine Einlassungen im Londoner Claridge`s trug dazu bei, dass die wahren Gründe seiner Abneigung nicht bekannt wurden.
Dass der SPD-Politiker Wehner die kompromittierenden Äußerungen des Bundeskanzlers nie veröffentlicht hat, dürfte weniger aus Rücksichtnahme auf Adenauer geschehen sein, als aus der realistischen Einschätzung heraus, dass Mitte der fünfziger Jahre antisemitische Ausfälle des deutschen Regierungschefs keineswegs auf einhellige Empörung in der deutschen Öffentlichkeit gestoßen wären. Ein Skandal um die antijüdischen Bekundungen des Kanzlers Adenauer wäre vielmehr dazu geeignet gewesen, den auch nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus in Deutschland weiterhin latent vorhandenen Antisemitismus neu anzustacheln.

[1] Vgl. Hans-Peter Schwarz, Adenauer. Der Staatsmann: 1952-1967, Stuttgart 1991, S. 151f.; Henning Koehler, Adenauer. Eine politische Biographie, ungekürzte Ausgabe in 2 Bänden, Bd. 2, Berlin 1997, S. 285f., 319; Hans-Peter Schwarz, Die Ära Adenauer. Gründerjahre der Republik. 1949-1957, Stuttgart/Wiesbaden 1981 (Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Bd. 2), S. 247.
[2] Rüdiger von Wechmar, Akteur in der Loge (Auszug), in: Der Spiegel Nr. 11 vom  13. März 2000, S. 318; Hans Ulrich Soldt, Der Mann hinter der Säule, in: Der Spiegel Nr. 37 vom 9. September 2002, S. 37.
[3] Art. „Etwas Eis, Gentlemen?“, in: Der Spiegel Nr. 41 vom 6. Oktober 1954, S. 5ff.
[4] Schwarz, Adenauer, S. 153; vgl. auch Art. „Was soll aus Deutschland werden?“, in: Der Spiegel Nr. 20. vom 17. Mai 1999.
[5] Vgl. Art. „Wir sind das Feigenblatt“, in: Der Spiegel Nr. 11 vom 9. März 1955, S. 10.
[6] Maschinenschriftliche Notiz Wehners, undatiert [Oktober 1954], Beginn: „Dr. Adenauer im Gespräch mit Spaak und Bech“, in: Nachlass Wehner (Kopie im Besitz des Verf.). Es handelt sich dabei um die Übertragung einer stenographischen Mitschrift Wehners. Die Notiz befand sich bei meiner Einsichtnahme vor Ablieferung des Nachlasses Wehners an das Archiv der Sozialen Demokratie im Aktenkonvolut zur Arbeit Wehners innerhalb der Sozialistischen Internationale. Da Wehner regelmäßig Spaak auf den Treffen der Sozialistischen Internationale traf, könnte der Fundort des Dokuments ein Hinweis darauf sein, dass der belgische Außenminister der Informant Wehners gewesen ist. Außer der im Text zitierten Passage notierte Wehner noch folgende Bemerkungen Adenauers im Clarigde’s. Zur SPD: „Die Partei wird von anderen Leuten geleitet, wie Wehner, der den Kommunisten noch nahe steht, der bis 1942 für Kominform gearbeitet hat.“ Über die Angst Adenauers vor dem russischen Geheimdienst: „Es ist meine hundertprozentige Überzeugung, dass die Russen jedes Wort aus diesem Raum erfahren. Ich kann mich täuschen, aber ich glaube daran.“
[7] Art. „Etwas Eis, Gentlemen?“, in: Der Spiegel vom 6. Oktober 1954, S. 6
[8] Ethnisch motivierte Vorurteile gehörten innerhalb des engeren Führungszirkels um Adenauer offenbar überhaupt zum „kulturellen Code“. So wird etwa von Herbert Blankenhorn, einem engen Mitarbeiter des Kanzlers, berichtet, dass er von Mendès-France als „einem orientalischen Teppichhändler“ sprach, „den man hart anfassen müsse“; vgl. Art. „Wir sind das Feigenblatt“, in: Der Spiegel Nr. 11 vom 9. März 1955, S. 9.
[9] Vgl. Schwarz, Adenauer, S. 139f.


http://universaar.uni-saarland.de/journals/index.php/tg/article/viewArticle/139/154



Konrad Adenauer

"Die Macht der Juden, auch heute noch, insbesondere in Amerika, soll man nicht unterschätzen." 
National Journal
-1-


Das war seine Intention für die "Wiedergutmachungszahlungen". Für Adenauer war die Judenvernichtung ein willkommener Vorwand, um, indirekt über ihr Protegé Israel, die Machthaber mit diesen "Wiedergutmachungszahlungen" "schmieren" zu können. Und so machen es seitdem alle Bundesregierungen. Deshalb wird dieser Zirkus darum veranstaltet und deshalb ist gesetzlich festgeschrieben, daß sie auch tatsächlich wie von den Juden beschrieben stattgefunden hat.
Trotzdem wurden kurz danach vom späteren Friedensnobelpreisträger und israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin drei Paketbombenanschläge auf Adenauer verübt.
-2-


"Das Weltjudentum ist eine große Macht." 
DER SPIEGEL, 19/1995
-3-


-1-
War die Holo-Wiedergutmachungs-Politik eine Kapitulation Adenauers vor der "Macht der Juden"?

Die antideutschen BRD-Politiker werden wohl kaum soweit gehen und den ersten Kanzler der von den Alliierten lizensierten Bundesrepublik einen Antisemiten schimpfen, nur weil er sich bezüglich der "Macht der Juden" mehr oder weniger auf einer Linie mit Adolf Hitlers Einschätzung befand.
Jedenfalls kommt in einem BRD-Film-Interview nach der Verabschiedung der Wiedergutmachungs-Gesetze aus dem Munde Dr. Konrad Adenauers zum Ausdruck, dass er "wegen der Macht der Juden sehr überlegt und bewusst eine Versöhnung zwischen dem jüdischen Volk und dem deutschen Volk herbeigeführt hat." Was ging ihm wohl durch den Kopf, zu was die "Macht der Juden" gegenüber dem zum zweiten Mal besiegten deutschen Volk fähig sein würde, wenn er sich den Geldforderungen verweigern würde?
Hier der Original-Text von Dr. Konrad Adenauer: "Die Macht der Juden, auch heute noch, insbesondere in Amerika, soll man nicht unterschätzen. Und daher habe ich sehr überlegt und sehr bewusst, und das war von je her meine Meinung, meine ganze Kraft daran gesetzt, so gut es ging, eine Versöhnung herbeizuführen zwischen dem jüdischen Volk und dem deutschen Volk." (1)
"Die Juden" gehörten für Adenauer übrigens auch nicht zum deutschen Volk. Die politisch-korrekte Verwirrungsfloskel "Deutsche, jüdischen Glaubens" galt für den ersten BRD-Kanzler offenbar nicht. Er sprach explizit vom "jüdischen" und vom "deutschen" Volk. Noch interessanter ist, daß Adenauer den Terminus "die Juden" benutzte. Wir vom NJ werden geflissentlich vom Haß-System wegen unserer Aufklärungsarbeit als "Antisemiten" beschimpft. Aber Sie werden bei uns in keinem Artikel die Generalisierung "die Juden" finden. Wir unterscheiden immer zwischen "den Juden", zwischen "jüdischen Machtzentren", "Machtjuden" und/oder der "Israel-Lobby". Die Beschimpfungen des Systems sind also nichts weiter als grenzeloser Hass auf die Aufklärer.
Yohanan Bader gehörte 1952 zur jüdischen Verhandlungsdelegation bei den Wiedergutmachungs-Gesprächen. Er zeigte sich besorgt darüber, ob die von Adenauer anerkannte "jüdische Macht" auch auch in Zukunft die Kraft haben würde, die Deutschen zu ewiger Bezahlung zu treiben:
"Angenommen, die Deutschen bezahlen für sechs Millionen, wo bekommen wir dann weitere sechs Millionen her, um mehr Geld rauszuholen?" (2)
Baders Besorgnis über eine mögliche "schwindende Macht" - und damit einhergehend das Versiegen der deutschen Wiedergutmachungszahlungen - war vollkommen unbegründet wie sich heute herausstellt. Shmuel Dayan (Mapai) war sich dessen offenbar bewußt und rief nach der Wiedergutmachungs-Vereinbarung mit Adenauer verzückt in jiddisch in die Runde: "A glick hot unz getrofen - 6 Millionen Juden wurden ermordet und wir bekommen Geld dafür." (3)
Quellen:
1) Original-Film, Interview Dr. Konrad Adenauer, Begründung Wiedergutmachungsgesetz (oben)
2) Fragte Yohanan Bader seine Kollegen vor dem Hintergrund der Wiedergutmachtungs-Verhandlungen im März 1952 mit der Regierung Adenauer: "Suppose they [the Germans] pay for six million Jews, but when the reparations period is over, ... where will you get six million more Jews so that you can get more money?" (Tom Segev, The Seventh Million - The Israelis and The Holocaust, Hill and Wang, New York 1994, S. 222)
3) "A glick hot unz getrofen (lucky us!) - six million Jews were murdered and we can get some money!" Tom Segev, The Seventh Million - The Israelis and The Holocaust, Hill and Wang, New York 1994, S. 223)



-2-
Am 15. März 1952 explodierte im Münchner Polizeipräsidium eine Briefbombe. Adressat: Bundeskanzler Konrad Adenauer. Doch erst 50 Jahre später flog einer der Drahtzieher auf: Israels späterer Ministerpräsident Menachem Begin. Von Henning Sietz

Der Zünder war scharf. Im März 1952 bastelte in einem Pariser Hotel ein Israeli namens Elieser Sudit an einer Bombe. Es war nicht die erste, die er baute: Der ehemalige Kämpfer der radikal-zionistischen Untergrund-Organisation Irgun Zwai Leumi (Etzel) war Bombenexperte. Sudit setzte den Sprengsatz in einen "Brockhaus" ein, schob das Lexikon in einen Schuber und wickelte es in Packpapier ein. Zuletzt brachte er den Adressaufkleber an: "An dem Bundeskanzler Konrad Adenauer, Bundeshaus, Bonn". Die Fehler in der Adresse fielen ihm nicht auf. 

Am Nachmittag des 27. März 1952 meldeten sich in München zwei Jungen bei der Polizei. Ein Unbekannter habe ihnen ein Paket gegeben, das sie zur Leopold-Post in Schwabing bringen sollten, sagten sie. Doch der Mann, der eine auffallende Fingerverstümmelung hatte, habe sich sonderbar verhalten. Da kurz zuvor in Norddeutschland einige Bomben hochgegangen waren, ließ die Wache des Polizeipräsidiums den Sprengmeister Karl Reichert kommen, der das verdächtige Paket öffnete. Die Bombe explodierte und riß Reichert die Unterarme ab; wenige Stunden später erlag er seinen Verletzungen. 

Noch in der folgenden Nacht schickte das Bundesinnenministerium Experten des Bundeskriminalamtes (BKA) nach München, darunter Josef Ochs als Leiter der Sonderkommission. Kriminaltechniker machten sich daran, die Bombe zu rekonstruieren, Hunderte von Hinweisen aus der Bevölkerung gingen ein. Die Fahndung war die bisher größte in der Geschichte der jungen Bundesrepublik. 

Bombe gegen das "Blutgeld" 

Wenige Tage darauf trafen bei Nachrichtenagenturen in Paris Bekennerschreiben einer "Organisation Jüdischer Partisanen" ein. Darin hieß es: "Das deutsche Volk, das kaltblütig sechs Millionen Juden hingemetzelt ... hat, ... möchte die Verzeihung unseres Volkes erlangen ... Wir befinden uns im Krieg ..." Unverkennbar wollten die Attentäter die Wiedergutmachungsverhandlungen zwischen Deutschland und Israel stören, die im März in Den Haag begonnen hatten. Dabei ging es um Zahlungen für jüdische Flüchtlinge in Israel, die dem Holocaust entronnen waren. 

Beide Seiten brauchten einen Erfolg: Adenauer, um Deutschland in die Riege der westlichen Länder zu integrieren, Israel, um den Staatsbankrott abzuwenden. Tausende von Israelis protestierten in Jerusalem gegen das "Blutgeld" aus Deutschland. In einer Brandrede stachelte der Chef der national-konservativen Cheruth-Partei, Israels späterer Ministerpräsident Menachem Begin, die Demonstranten auf: "Adenauer ist ein Mörder!" Daraufhin versuchten Anhänger der Cheruth, der legalen Nachfolgerin der terroristischen Untergrundorganisation Irgun, die Knesset, das israelische Parlament, zu stürmen. 

Zwei Ereignisse Anfang April 1952 wiesen darauf hin, dass vermutlich jüdische Täter hinter dem Anschlag standen. Bei der Sicherungsgruppe des Bundeskriminalamts (BKA) traf der Hinweis eines westlichen Geheimdienstes ein, dass einer der Attentäter mit Namen Lutan auf dem Weg nach München einen Textilgroßhändler jüdischer Abstammung in Frankfurt besucht habe. Lutan stamme aus Kowel in Galizien und habe zahlreiche Decknamen. Daraufhin stellten Kriminalbeamte Wohnung und Firma des Unternehmers auf den Kopf. Doch das Frankfurter Ehepaar konnte die Vorhaltungen entkräften. 

Politisches Kalkül verhindert die Aufklärung 

Kurz darauf nahm die französische Polizei in Verbindung mit dem Anschlag auf Adenauer fünf Israelis fest, unter ihnen einen gewissen Jakow Farshtej. Ein Informant, der mit der Untergrundorganisation Irgun zusammengearbeitet hatte, wies die deutschen Behörden darauf hin, dass nur Farshtej als Kopf der Attentäter in Frage komme. Vier der Männer waren bereits ausgewiesen worden, einer von ihnen saß noch wegen Waffenbesitzes im Gefängnis. Unverzüglich reiste Josef Ochs, Chef der Münchner Sonderkommission, nach Paris. Ein französischer Beamter beschied ihn dort knapp, dass es nichts mitzuteilen gebe. 

Im Herbst 1952 wurde die glücklose Sonderkommission aufgelöst. Sonderlich viel hatte die Öffentlichkeit nicht erfahren, die Ermittlungen waren geheim. Doch bereits im Frühjahr 1953 nahmen Beamte des neugegründeten Bayerischen Landeskriminalamtes die Ermittlungen wieder auf. Sie konzentrierten sich auf zwei Brüder mit Namen Kronstein, die den Bombenboten Lutan in München angeblich unterstützt hatten. Als bekannt wurde, dass einer von ihnen, Josef Kronstein, eine charakteristische Fingerverstümmelung hatte, schritt man zur Festnahme - doch zu spät. Der Verdächtige war gewarnt worden und hatte Deutschland fluchtartig verlassen. Die Ermittler standen mit leeren Händen da: Alle Verdächtigen waren nun in Israel. 

Aus einer Reihe politischer Gründe hatten die Ermittler praktisch keine Chance, das Verbrechen aufzuklären. Eine polizeiliche Kooperation mit Israel und Frankreich war undenkbar. Ein Erfolg der Ermittler hätte die Wiedergutmachungsverhandlungen gefährdet und war daher unerwünscht. Nach Lage der heute bekannten Akten griff Kanzler Adenauer zwar nicht in die Ermittlungen ein, ließ sich aber über deren Fortgang Bericht erstatten. Die Kriminalbeamten - einige von ihnen hatten SS-Dienstgrade gehabt - stellten ebenfalls eine Gefährdung dar: Ein Fahndungserfolg dieser Beamten hätte Deutschland bloßgestellt und Adenauers Politik zurückgeworfen. 

Ein vergessener Anschlag 

Doch die Ermittler arbeiteten unverdrossen weiter. In mühsamer Kleinarbeit fanden sie einige Details über Lutan heraus, der die Bombe nach München gebracht hatte. Auch der Frankfurter Textilgroßhändler mußte schließlich zugegeben, dass er den Bombenboten bei sich aufgenommen hatte, allerdings ohne über das Attentat Bescheid zu wissen. 

Da die Ermittlungen geheim waren, ging das Attentat auf Adenauer nicht einmal in die Geschichte der Bundesrepublik ein. Es wurde schlicht vergessen. So dauerte es über 50 Jahre, bis die Identität des Bombenbauers und die seines Auftraggebers in Deutschland bekannt wurden: Es war jener Elieser Sudit, der wegen Waffenbesitzes in Paris zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden war. Als Josef Ochs nach Paris reiste, war Sudit noch in Haft und hätte verhört werden können. 

Im Jahre 1994 veröffentlichte Elieser Sudit im Selbstverlag das Buch "Im Auftrag des Gewissens", in dem er die Vorgeschichte des Anschlags beschrieb und den Drahtzieher des Attentats nannte: Menachem Begin, Chef der Cheruth-Partei und von 1977 bis 1983 Ministerpräsident Israels. Sudit hatte mit der Veröffentlichung gewartet, bis sein verehrter "Kommandant" im Jahr 1992 verstorben war. Über zehn Jahre blieb sein auf Hebräisch verfaßtes Buch unbeachtet, bis jemand es aufstöberte und nach Deutschland schickte. 

Hilflose, aber brandgefährliche Tat 

So kam das einzige größere Attentat auf einen deutschen Bundeskanzler über 50 Jahre danach doch noch zu einer Art Aufklärung. Der Anschlag war die hilflose, aber brandgefährliche Tat einer Gruppe, die wieder politischen Einfluß gewinnen wollte. Bis heute ist nicht bekannt, was die israelische Polizei über die Attentäter wusste und gegen sie unternahm. 

Möglicherweise sah man über den Anschlag hinweg. Sudit jedenfalls ging zum Nachrichtendienst Mossad und jagte Nazi-Verbrecher. Lutan überwarf sich Mitte der fünfziger Jahre mit der Cheruth und ließ sich unter dem Namen Dan Nimrod als Publizist in Kanada nieder. Ein Freund aus Deutschland traf ihn mehrmals, stets im Ausland: "Ich hatte immer das Gefühl, dass er Deutschland mied. Dabei hatte er gar nichts gegen Deutschland, im Gegenteil. Er zeigte vielmehr deutliche Sympathien für die deutsche Nachkriegsgeneration." Josef Kronstein nahm in Israel einen anderen Namen an, seine Adresse und Telefonnummer hielt er zeitlebens geheim. 

Zu jedem Neujahrsfest schickte ihm Begin eine Karte mit einem Gruß.
http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/529/liebesgruesse_fuer_adenauer.html



Weiterer Artikel aus der FAZ

Menachem Begin, der spätere israelische Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger des Jahres 1978, war Auftraggeber, Organisator und Geldbeschaffer eines Anschlags auf Bundeskanzler Konrad Adenauer im Jahr 1952. Das ergibt sich aus einem Bericht mit dem Titel „Im Auftrag des Gewissens“, den Elieser Sudit, einer der beiden Haupttäter, mehr als vierzig Jahre nach dem Anschlag niedergeschrieben hat.
Die Umstände der damaligen Bombenattentate und den Gang der Ermittlungen beschrieb der Journalist Henning Sietz zunächst in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 4. Juli 2003 und später in dem Buch „Attentat auf Adenauer. Die geheime Geschichte eines politischen Anschlags“. Der Kreis der mutmaßlichen Täter konnte damals zwar eingegrenzt, aber nicht vollständig geklärt werden. Jetzt stehen die Namen der Attentäter fest - es handelt sich um ehemalige Aktivisten der 1948 aufgelösten jüdischen Terrororganisation „Irgun Zwai Leumi“, auch „Etzel“ genannt, die gegen die britische Mandatsmacht gekämpft hatte.
Begin legte Protest ein
Die Attentäter handelten im Auftrag prominenter Mitglieder von Begins Partei „Cheruth“, die aus dem „Irgun“ hervorgegangen war. Diese Erkenntnisse stammen aus dem Bericht des Attentäters Elieser Sudit. In stiller Verehrung nennt Sudit darin den Drahtzieher des Attentats: Menachem Begin.
Anfang April 1952 waren in Paris fünf Israelis festgenommen wurden, von denen vier Mitglieder seiner „Cheruth“-Partei waren. Die französische Polizei warf ihnen vor, an dem Paketbomben-Attentat beteiligt zu sein, das kurz zuvor Adenauer gegolten hatte. Begin - so berichtete die Pariser Zeitung „France Soir“ am 5. April 1952 - verlangte von dem französischen Geschäftsträger in Israel nähere Informationen über die Vorkommnisse in Frankreich. Anschließend legte er Protest ein.
Tod eines Sprengmeisters
Am 27. März 1952 hatte ein unbekannter Mann am Münchner Hauptbahnhof zwei Buben ein Paket gegeben. Sie sollten es in Schwabing auf die Post bringen. Die Adresse der Sendung lautete: „An dem Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer, Bundeshaus, Bonn“. Am Abend explodierte das Paket im Keller des Polizeipräsidiums und tötete einen Sprengmeister.
Kurz darauf trafen zwei kleinere Briefbomben in Wassenaar bei Den Haag ein, wo Deutschland und Israel über einen Vertrag verhandelten, der als „Wiedergutmachungsabkommen“ oder „Shilumim“ in die Geschichte eingehen sollte. Kurz darauf bezichtigte sich eine bis dahin unbekannte „Organisation Jüdischer Partisanen“ der Attentatsversuche. Das Ziel der Anschläge war nun klar: Sie sollten eine erste Verständigung zwischen Deutschland und Israel verhindern.
Menachem Begin war 1978 zusammen mit dem ägyptischen Präsidenten Anwar Al Sadat mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden, weil beide den israelisch-ägyptischen Friedensvertrag zu Wege gebracht hatten.
http://www.faz.net/aktuell/politik/im-auftrag-des-gewissens-begin-war-drahtzieher-des-adenauer-attentats-1328438.html


-3-
08.05.1995
POLITIK DER ERINNERUNG
Rudolf Augstein über Kriegsende und Nachkriegszeit
Von Augstein, Rudolf

Wenn dieser Krieg einmal zuende sein sollte, dann werden die Menschen eine zeitlang nichts von ihm hören wollen. Sie werden den Versuch machen, wenn auch auf unzulängliche Weise, zu vergessen. Das Leiden, das Grauen, sie müssen überwunden werden. Jede neue Generation tut es, und selbst die gleiche vergißt in zwei drei Jahrzehnten. Wäre es anders, so würden keine Kriege sein.
Am 8. Mai 1945 notierte sich ein kleiner, stämmiger, weißhaariger Mann in London in sein Tagebuch: "Tag des Sieges. Traurig, sehr traurig." Am Tag danach schrieb er: "Israel, freu dich nicht, jauchze nicht wie die Völker!" Er hieß David Ben-Gurion und wurde Israels erster Ministerpräsident. Hitler, so meinte er, habe nicht nur dem jüdischen Volk geschadet. Er habe ebenso dem jüdischen Staat, von dem er nichts wußte und der jetzt kommen sollte, ein Stück Existenzberechtigung genommen: "Der Staat bildete sich und fand das Volk nicht mehr, das auf ihn gewartet hatte."
Ben-Gurion wollte unbedingt sofort eine Million Juden ins Land holen, ohne Rücksicht auf die britische Mandatsmacht*. Und die Araber? Nun, die müsse man zu einer Art freiwilligen "Transfers" veranlassen, was bald darauf - unfreiwillig - geschah. "Der Konflikt mit den Arabern ist dann vorbei", verkündete Ben-Gurion damals. Dies sollte sich als Irrtum herausstellen.
Von den Überlebenden des Holocaust waren Ben-Gurion und die übrigen Gründerväter Israels zutiefst enttäuscht. Wie sollte man "mit diesem moralisch minderwertigen Menschenmaterial" den neuen zionistischen Staat aufbauen, wie den neuen zionistischen Menschen schaffen?
Viele erkannten nicht oder sahen erst viel später, daß Hitler dem künftigen jüdischen _(* Bei der Feier in Bad Harzburg ) _(anläßlich der Gründung des Staates ) _(Israel am 15. Mai 1948 war ich anwesend ) _(und hörte den Rabbiner auf jiddisch ) _(sagen: "Wer werdn nischt ruhn, bis wer ) _(schtejn oif beide Saiten vim Jorden." ) Staat nicht nur Menschen gestohlen, sondern unfreiwillig mitgeholfen hatte, ihn zu etablieren. Das Entsetzen über Hitlers Holocaust hatte mehr als alles andere die Hindernisse, im britischen Mandatsgebiet einen jüdischen Staat zu errichten, beiseite geräumt. "Ein hoher Materialismus beherrscht die Leute", klagte der spätere Generaldirektor des Außenamtes Chaim Jachil über die "Rest"-Juden.
Denselben Satz hätte man über die deutsche Bevölkerung seinerzeit äußern können. Das Ende des Krieges bedeutete für die meisten Bewohner der drei Westzonen eine Erlösung, mithin fühlten sie sich, ohne weiter darüber nachzudenken, "befreit". Nicht befreit fühlten sich die Bewohner der sowjetisch besetzten Zone, und sie hatten auch keinen Grund dazu.
Weitere Millionen erlebten das Kriegsende inmitten eines unmenschlichen und unfreiwilligen "Transfers". Sie waren vertrieben worden und mußten sich das Gefühl der Freiheit und Befreiung erst im Laufe der Jahre zulegen.
Das Thema "Befreiung" war damals keines. Noch zum 8. Mai 1965 weigerte sich Adenauers Moskauer Lieblingsbotschafter, Hans Kroll, auf die Befreiung zu trinken. Ein Deutscher könne doch nicht "auf die eigene Niederlage trinken".
Das Regime des Dritten Reiches hatte so menschenfeindlich agiert wie keines zuvor, und es war schmachvoll gescheitert. Nach seinem Ende aber hätte kein Politiker es gewagt, von Befreiung zu reden. Ihnen ging es um Demontage und Reparationen seitens der Alliierten, um die Sorgen im politischen Alltag.
Hitler als einzig Schuldiger für die nationalsozialistische Vergangenheit bot also einen bequemen Schutzschild. Man ließ Auschwitz nicht unter die Haut, das kam erst viel später. Vorerst genügten die Bilder von der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Es hatte jeder mit sich selbst zu tun.
Das änderte sich erst 1958. Damals begannen die ersten Prozesse gegen Nazi-Verbrecher, an denen die braven Leute nun nicht mehr vorbeikonnten.
1961 klagte in Jerusalem der Generalstaatsanwalt des inzwischen etablierten jüdischen Staates, Gideon Hausner, den aus Argentinien entführten SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann an. Hausner sah den Holocaust als ein Glied von vielen in der Kette antisemitischer Verfolgungen, angefangen vom Pharao bis zum ukrainischen Judenmörder und Pogromstifter Semjon Petljura, mit dem der damals führende Zionist Wladimir (Zeev) Jabotinsky zwecks Einrichtung jüdischer Gendarmerien ein Sonderabkommen geschlossen hatte - Petljura wurde 1926 in Paris ermordet.
Dies entsprach zionistischer Geschichtsauffassung, stieß aber auch "bei den Deutschen zweifellos auf Wohlgefallen", wie heute der israelische Historiker Tom Segev, um äußerste Objektivität bemüht, zu Recht anmerkt*.
Mittlerweile aber gilt Auschwitz, außer bei den ganz Unbelehrbaren, als das entsetzlichste Verbrechen innerhalb der Geschichte europäisch zivilisierter Völker, mithin als einzigartig. Keines der zahlreichen Kriegs- und Völkerverbrechen hilft da zur Relativierung. Dem war aber nach dem Krieg für lange Zeit nicht so. Keine Trauerarbeit, _(* Tom Segev: "Die siebte Million. Der ) _(Holocaust und Israels Politik der ) _(Erinnerung". Rowohlt Verlag, Reinbek; ) _(764 Seiten; 68 Mark. ) Aufbauarbeit sollte geleistet werden.
Das lag unter anderem sehr am Nützlichkeitsdenken des führenden deutschen Staatsmannes Konrad Adenauer, aber unter gar keinen Umständen allein an ihm. Niemand wollte da gründlich bohren, wo doch nur Scheußlichkeiten ans Licht kommen konnten. Alle anderen, die Partner der Bundesrepublik, dachten ja auch in Kategorien des nackten Nutzens.
Den Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß, ungerecht wie er sich als Siegerjustiz darstellen mußte, hatten viele gleichmütig hingenommen. Doch war wohl bemerkt worden, daß der Physiker Wernher von Braun, der während des Krieges in den unterirdischen Stollen Thüringens an Tausenden zu Tode geschundenen Zwangsarbeitern vorbeimarschiert sein muß, von den Amerikanern bald wieder in Dienst gestellt wurde. Er war ja nicht nur ein ehemaliger SS-, sondern auch ein "Fach"-mann. Einen Posten bekam nach kurzer Befragung auch General Reinhard Gehlen, der nun wirklich von allem wußte, was im Osten von den Deutschen angerichtet worden war. (Übrigens haben die Amerikaner auch jene Japaner, die an Menschenversuchen beteiligt gewesen waren, vor Strafverfolgung geschützt, damit sie deren Arbeitsergebnisse auswerten konnten.)
Wer damals noch nicht geboren war, hat heute aus Zeitungen und Akten gut urteilen. Sogar wir erwiesenen Nicht-Nazis gebärdeten uns - wie Adenauer, wie Schumacher, wie Dehler - reichlich selbstgerecht. Sicher, wir waren es nicht gewesen, die dieses Unheil verursacht hatten, und wir hatten auch das Schlimmste nicht gewußt. Aber irgend etwas hatte jeder gewußt.
Kurz vor dem Krieg war die politische Lage für die Deutschen nicht durchsichtig. Aber hatten denn England und Frankreich nach der absurderweise heute immer noch so genannten "Reichskristallnacht" nicht gewußt, mit wem sie noch bis in den August 1939 hinein gegen Stalin paktieren wollten? Sehr wohl wußten sie es. Es war erst der von Hitler _(* Konferenz von Jalta im Februar 1945. ) planmäßig angezettelte Krieg, der sie überzeugte, daß es mit diesem "outlaw" kein Paktieren mehr geben konnte. Die innere Verfassung beider Länder ließ ihnen keine Wahl.
Nein, wer nicht bereits Anti-Nazi war, konnte es durch die Politik der westlichen Alliierten schwerlich werden. Wer sagte denn, daß Hitler nicht auch in Polen letztlich seinen Willen bekommen würde, wie man bis Kriegsbeginn auch in London und Paris noch hoffte? Hitler offenbarte niemandem, was er wollte, sogar dem zweitwichtigsten Mann im Staat, dem "Reichsmarschall" Hermann Göring nicht.
Die Bevölkerung war wohl mit Mehrheit, wenn auch keineswegs enthusiastisch, für den Kriegseintritt. Aber sie wußte nicht und konnte nicht wissen, was er bedeutete. Das aktive Offizierkorps ging fast durchweg begeistert in dieses, bei Licht besehen, aussichtslose Abenteuer. Der Gedanke, gegen England mehrere "Punische Kriege" führen zu müssen, spukte schon 1915 in den Köpfen der hohen Generalstäbler um Erich von Falkenhayn. England sah man in der Rolle Karthagos, und schließlich war ja sogar der große Hannibal besiegt worden.
Diesem Ungeist, dem ein "deutsches blutiges Jahrhundert" zu danken ist, sollte die Große Koalition aus Roosevelt, Churchill und Stalin für immer ein Ende setzen. Ohne die Mithilfe Hitlers, ohne den Überfall auf die Sowjetunion, wäre dieser Schulterschluß aber wohl nicht so leicht zustande gekommen. Diese drei Mächtigen wollten keine Juden retten - die rund 250 000 jüdischen Soldaten in der Roten Armee galten den Zionisten als Abschaum - und keine Deutschen befreien. Das Restgebiet des Deutschen Reiches sollte als "besiegter Feindstaat" behandelt, wenn nicht gar zerstückelt werden.
Unter solchen Umständen mußte die von den westlichen Alliierten 1945 teils in Gang gesetzte, teils behinderte "Entnazifizierung" zur Farce geraten. Der schon in Potsdam 1945 einsetzende Kampf gegen den gottlosen Bolschewismus wurde zur inoffiziellen Staatsreligion der neu erstandenen Bundesrepublik hochgepeitscht. Ohne die Propagandisten des verblichenen Systems ging das offenbar nicht.
Wie wollte man die Erfinder und Ingenieure, die Hitlers Waffen geschmiedet und verfeinert hatten, bestrafen, nachdem Wernher von Braun von den Amerikanern adoptiert worden war? Warum sollte der tüchtige Kriegs-Konstrukteur Heinrich Nordhoff 1947 nicht Chef des Volkswagenwerks in Wolfsburg werden, man denke, ein Nicht-Parteigenosse!
Führende jüdische Kreise sahen diese Dinge damals nicht viel anders. Nur die israelische Bevölkerung setzte Adenauer mit Hitler gleich, auch der Führer der Cheruth-Partei, Israels späterer Premier (1977 bis 1983) Menachem Begin.
Mit Hitler-Vergleichen geizt man bis heute nirgends. Ben-Gurion seinerseits nannte Begin "einen Mann vom Schlage Hitlers", "ein Rassist, der bereit ist, alle Araber für ein Groß-Israel umzubringen". Hitlers "Stimme und Geheul" glaubte er zu vernehmen, als er Begin zum erstenmal im Radio hörte.
Politisch verantwortliche Juden wie der geistige Staatsgründer Chaim Weizmann und der handelnde Ministerpräsident David Ben-Gurion sahen hingegen recht früh, daß man mit der kommenden Großmacht Bundesrepublik zu "terms" kommen mußte. Wer immer in Bonn regierte, mußte diesem Verlangen Rechnung ** Die letzte, taktlos, aber erfolgreich, ging von _(Bundeskanzler Helmut Kohl aus, der sich ) _(darüber beschwerte, daß man ihn in ) _(Israel beschimpfe, während man in Bonn ) _(die Hand aufhalte. * Im März 1960 im ) _(Hotel "Waldorf Astoria" in New York. ) tragen. Es regierte aber nun einmal Konrad Adenauer, und der ging den ihm vorgezeichneten Weg, "denn, meine Damen und Herren, dat Weltjudentum is eine jroße Macht". Das hatte ihm der geniale Fuchs Nahum Goldmann, führende Persönlichkeit eben dieses Weltjudentums, hingerieben.
Die Abgesandten des Staates Israel in Deutschland bedienten sich besonders gern der Hilfe Hans Globkes, des engsten Adenauer-Vertrauten bis zum Tode des Alten. Der wurde zum Sinnbild des Adenauerschen Nützlichkeitsdenkens. Globke hatte nicht nur an den "Nürnberger Gesetzen" von 1935 Anteil, sondern bis in den Krieg an Bestimmungen mitgearbeitet, die als juristische Grundlage zur Judenverfolgung dienten, so Tom Segev.
Wichtiger als Globke, der erst 1953 der zweitwichtigste Mann im Regime Konrad Adenauers wurde, war für die deutsch-israelischen Beziehungen der früher im Vorstand der Deutschen Bank sitzende Hermann Josef Abs. Ihm hatte nicht nur Hitler einschlägige Dienste zu danken, sondern auch die Bevölkerung der Bundesrepublik. Abs war bei den Londoner Reparationsverhandlungen 1953 auf deutscher Seite der führende Kopf gewesen und hat, von den Verhandlungen mit Israel abgesehen, wo er nichts entscheiden konnte, den Deutschen Millionen, wenn nicht Milliarden eingespart.
"Soweit uns bekannt ist", war er kein Nazi, sagte, recht vorsichtig, 1957 Israels Finanzminister Levi Eschkol, der spätere Regierungschef. Nein, auch Abs war ein "Fachmann".
So, und nicht anders, war die auf Anerkennung, nicht aber auf Buße angelegte Stimmung in der Halbdemokratie des Rhöndorfer Alten.
Der ließ sich, hatte er einen Schwächeren vor sich, die Butter nicht vom Brot nehmen. Als er, schon nicht mehr Bundeskanzler, in Jerusalem mit Premier Levi Eschkol ein Essen unter zwölf Personen absolvierte, sagte der Gastgeber: "Herr Bundeskanzler, wir sind davon überzeugt, daß das deutsche Volk unter Ihrer Führung in die Gemeinschaft der zivilisierten Völker zurückkehren wird." Eine ziemliche Beleidigung für den Deutschen also, und Eschkol, der den Text der Ansprache vorher nicht gelesen hatte, suchte sich danach zu entschuldigen. Adenauer unterbrach ihn und entgegnete: "Herr Ministerpräsident, was Sie denken, kümmert mich nicht, und was Sie von mir halten, interessiert mich nicht im geringsten. Ich repräsentiere das deutsche Volk. Sie haben es beleidigt, also reise ich morgen früh ab." Er reiste nicht, aber es war die erste Bonner Rüge auf israelischem Boden an die Adresse Israels**.
Wählerisch, wenn es um die Fundierung des jüdischen Staates ging, war dieser nie. Israel bestellte und bekam nach dem unglückseligen Suez-Abenteuer von 1956 deutsche Waffen, kostenlos. Es lieferte im Gegenzug - und wurde dafür bezahlt - israelische Waffen und Uniformen für die Bundeswehr. Franz Josef Strauß, der dem Wiedergutmachungsabkommen mit Israel nicht zugestimmt hatte, wurde in der Folge plötzlich zu einer Säule auf dem Berge Zion. Allerdings blieb dieser recht barocke Bayer vielen Israelis doch so unsympathisch, daß sein Besuch bei Ben-Gurion 1963 mit zu dessen Abgang beitrug.
Etwas Zwiespältiges blieb immer zwischen den Handlungen der israelischen Politiker und dem gesunden oder ungesunden Volksempfinden. Abba Eban, damals Erziehungsminister, hatte sich der Proteste gegen deutsche Musik (Schubert, Richard Strauss, Wagner) und gegen den Dirigenten Herbert von Karajan zu erwehren. Auch israelische Autoren, die in Deutschland Erfolg hatten, Ephraim Kishon etwa, wurden dummerhaft angegriffen, so daß Abba Eban sich gegen die Tendenz wandte, "den Holocaust zum Beruf zu machen". Diese Tendenz ist in der Zwischenzeit nicht schwächer, sondern stärker geworden. Man sollte hoffen, daß sie nach dem 50. Jahrestag des Kriegsendes allmählich wieder abebbt.
Tatsächlich muß man bedenken, wieviel der Psyche einer Bevölkerung zugemutet werden kann. "Die Bewältigungsprofis" lautete vor kurzem eine Überschrift in der Frankfurter Allgemeinen. Mit Blick auf die geplante Aufstellung eines neuen Mahnmals in Berlin sprach der Pressesprecher der Jüdischen Gemeinde, Peter Ambros, über eine "Bewältigungsbranche" als "selbständigen Bereich der deutschen Kulturpolitik". Und er fügte hinzu: "Fast alles daran zieht Peinlichkeiten nach sich, manches sogar Gefahren." ** Im Gegensatz zu Omer Bartov ("Hitlers Wehr- _(macht") glaube ich nicht, daß die auf ) _(dem Rückzug befindliche Truppe von den ) _(Parolen ihrer Führer noch stark ) _(beeindruckt war, und ich habe mich ) _(dreieinhalb Jahre im Osten ) _(herumgetrieben. Hier bin ich im Einklang ) _(mit den Professoren Manfred ) _(Messerschmidt und Hans Mommsen. Bartov ) _(zitiert Briefstellen die Menge, läßt ) _(aber außer acht, daß die Mehrheit der ) _(Soldaten über Politik in ihren Briefen ) _(nichts schrieb. * Während der ) _(Gedenkfeier in Bergen-Belsen. )
Bundespräsident Roman Herzog hat in seiner undiplomatisch-herzhaften Art beim jüngsten, sehr eindrucksvollen Gedenken in Bergen-Belsen gefragt, ob wir wohl den richtigen Umgang mit dem "Erinnern" schon gefunden hätten. Wie sollten wir?
Die Erinnerung ist nichts Verfügbares. Sie kann nicht mit Nägeln festgeklopft werden. Wer die Zeit des Dritten Reiches direkt oder indirekt miterlebt hat, wird sie schwerlich vergessen. Man kann die Erinnerung daran aber nicht zwangsweise an künftige Generationen weiterreichen, wenn diese nicht mehr aufnahmebereit sind. Die ästhetische und die authentische Wiedergabe ersetzt auch die beste oder schlechteste politische Absicht, siehe "Schindlers Liste".
Ob der Dreißigjährige Krieg sich wirklich, wie man behauptet hat, ins kollektive Bewußtsein der Deutschen, in eine kollektive Erinnerung nachhaltig eingesenkt hat, ist doch nach wie vor ernsthaft die Frage.
An Hitler und Auschwitz wird man weiter denken, aber doch nicht in jener obersten Karriere-Sippschaft, die beides erst möglich gemacht hat. Die Kirche, beide Konfessionen, hätte damals etwas ändern können. Aber sie dachte lediglich daran, ihre Institutionen intakt zu halten. Doch wen interessiert das, außer Rolf Hochhuth und die Wissenschaft? Nicht auszudenken der Schaden für den Kreuzes-Gedanken, wenn Papst Pius XII. als Märtyrer hätte sterben müssen. Er hätte nicht.
Aber nicht die Kirchen, sondern die Militärclique, wenn denn von Schuld die Rede sein soll, trug die Hauptschuld an diesem Krieg. Die Chefgeneräle des Ostfeldzuges hätten sich, nachdem die Sache verloren war, allesamt über ein Todesurteil nicht beklagen können: die Brauchitsch, Halder, Manstein, Hoepner (!), Guderian, Küchler, Hoth, Fritsch (!), Reichenau, Richthofen etc.
Sie alle haben aus Ehrgeiz und oft wider besseres Wissen dem Krieg im Osten nicht nur zugestimmt - was war von diesen Jasagern auch anderes zu erwarten -, sondern sie hatten der Truppe die schonungslosen Metzeleien anbefohlen, die Hitlers kranker Geist ihnen ins Hirn geschraubt hatte: "Kampf gegen den asiatischen Judäo-Bolschewismus"**.
Der von Hitler zu Tode gedemütigte Generaloberst von Fritsch schrieb kurze Zeit nach der "Reichskristallnacht": "Die (Schlacht) gegen die Juden ist die schwierigste." Und natürlich wurde auch der schlimmste Psychopath unter den Feldmarschällen, der letzte "Oberbefehlshaber des Heeres", Ferdinand Schörner, als man ihn hatte, nicht aufgehängt. Wohl aber jener Oberst Fiebig, den die Engländer wegen der Bombardierung Belgrads dem Marschall Tito ausgeliefert hatten. Er wurde gehenkt.
Man kann etwas abarbeiten, eine Schuld etwa. Auch Aufarbeiten kann man, vielleicht etwas bisher Vernachlässigtes. Das ist bei uns Deutschen geschehen. Sogar Josef Joffe, ein dem Judentum und den Amerikanern durchweg Wohlgesinnter, schrieb in der Süddeutschen Zeitung 1992 über die Bundesrepublik (bei allen Vorbehalten): "Die Vergangenheit ist zumindest nicht verdrängt worden", das müßte dann wohl auch heute seine Meinung sein.
Wie aber kann man Vergangenheit "bewältigen"? Das ist ein schillernder Begriff. Ungeschehen machen kann man sie ja nicht. Weder sechs Menschen noch sechs Millionen Menschen kann man wieder zum Leben erwecken. Die Justiz richtet ungern in eigener Sache, sie spricht sich frei. Aber auch höchstrichterliche Urteile aus jüngster Zeit zeigen, daß nicht Nazi-Ungeist, sondern Unkenntnis die Feder führt.
Nach dem moralischen Zusammenbruch eines Staates kann man mit Hilfe von Umdeutungen etwas bewirken, wie uns der selbstlose Präsident Charles de Gaulle und der gar nicht selbstlose Francois Mitterrand vorexerziert haben. Die Bundesrepublik hat es auch mit Umdeutungen der Geschichte versucht, ohne großen Erfolg.
Man kann aber, wie die Militärreformer Preußens nach 1806, das bisherige System umstülpen. Das versuchte auch der Zivilist Konrad Adenauer. Und wenn er für die in Werl einsitzenden Offiziere der ehemaligen Wehrmacht beharrlich eintrat, so nicht aus Liebe zum Militär, die war bei ihm unterentwickelt, sondern weil er ohne die Hilfe seiner "grauen Kriegsverbrecher" (Strauß zu mir) nicht glaubte auskommen zu können. Da hatte er sogar recht. Straußens Lieblingsmilitär wurde Josef Kammhuber, unter Hitler noch General der Flieger.
Aufgearbeitet ist ja durchaus worden, wenn man darunter Erkenntniswillen und nicht inquisitorisches Befragen versteht. Das Grundgesetz, das sich bewährt hat, ist ein Stück gelungener Aufarbeitung, die Tandem-Zusammenarbeit zwischen Adenauer und Globke, zwischen Kiesinger und Brandt hingegen nicht.
Ohne Zweifel sind zahllose Kriegsverbrecher ihrer Strafe entgangen. Letztlich aber war das ein geringer Prozentsatz der Gesamtbevölkerung. Kriegsverbrechen wurden während dieses Irrsinns auf allen Seiten begangen. Die Amerikaner gingen mit den Soldaten in den Gefangenenlagern elend um, Hunderttausende starben.
Die nach dem Krieg in der Bundesrepublik geschaffenen Institutionen haben im ganzen funktioniert, auch wenn (oder weil) sie durch ständig neue Skandale in Mitleidenschaft gezogen worden sind. So kann man, unter Hintanlassung aller Einzelheiten, das gegenwärtige Deutschland für einen Staat halten, der so viele Lektionen gelernt hat, wie das schwachen Menschen nur möglich ist. Die Gefahren der Vergangenheit werden mehr herbeigeredet und beschworen, als nüchterne Betrachtungsweise das erlaubt. Es gibt kaum ein Übel in diesem Staat, von dem andere demokratische und parlamentarische Gemeinschaften nicht ebenso befallen wären. Richtig ist, die Lektionen wurden erst reichlich spät gelernt.
Zwar hatte die SPIEGEL-Affäre 1962, mit Franz Josef Strauß im Mittelpunkt, das Land aufgeregt. Erschüttert aber wurde es erst 1967 durch die mit dem Schah-Besuch hereinbrechenden Studentenunruhen - der Abwurf der Atombombe über Hiroschima (Edward Teller heute: Ein Fehler) und der Krieg in Vietnam (Robert McNamara heute: Ein Fehler) wurden "hinterfragt".
Auch die restaurativen Adenauer-Zeiten wurden ins Visier genommen. Das Wort "Verdrängung" hatte Hochkonjunktur. Man mußte sich aber fragen, ob es wohl möglich sei, ein ganzes Volk auf die Couch zu legen. Überwiegend war nichts verdrängt worden, was man nicht hätte ans Licht ziehen können. Es war nur sprichwörtlich das "gute Gewissen" vorherrschend, das Glück eines neuen Anfangs, den man angesichts der deutschen Teilung auch schaffen konnte, ohne viel zu verdrängen.
Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß die Bewegung der 68er eine Unruhe ins Land brachte, die unterirdisch in kleinen Schüben auch die DDR erreichte. Deren Zusammenbruch war so, wie er 1989 dann erfolgte, von niemandem vorausgesehen worden. Namentlich die Bundesregierung mit ihren teuren Nachrichtendiensten wurde kalt erwischt.
Wiederum hätte, wie schon 1949 Adenauer, kein Bundeskanzler anders handeln können, als Helmut Kohl es tat. Aber es war eben der Kanzler, der handeln mußte, unterstützt von einem weltweit erfahrenen damaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Wenn die Chirac-Leute heute sagen, Kohl und seine Regierung hätten seinerzeit kaum Fehler gemacht, so ist das ökonomisch natürlich nachweisbar falsch.
Die gravierenderen Fehler aber liegen doch wohl in der Psychologie der Wiedervereinigung. Wir im Westen haben uns, vielleicht ohne das so zu wollen, als Befreiungsmacht aufgespielt. Nur gab es diesmal kein "Fraternisierungsverbot", ganz im Gegenteil, es wurde zu heftig fraternisiert. Der Verdacht drängt sich auf, und man wird ihn so ohne weiteres nicht aus der Welt schaffen können, daß die moralischen Versäumnisse der Ära Adenauer nun im Osten wiedergutgemacht werden sollten.
Stimmt der Verdacht? Da gibt es kein klares Ja und kein klares Nein. Rein wirtschaftlich benehmen sich die westdeutschen Geschäftemacher wie die Rucksack-Yankees 1865 nach dem Bürgerkrieg im besiegten Süden der Vereinigten Staaten.
Bei aller Unterschiedlichkeit der beiden Gesellschaften war ein solches Verhalten aber auch zu erwarten, und was eingetreten ist, kann nicht unbedingt als negativ eingestuft werden. Es gab ja den dritten Weg nicht, den man hätte beschreiten können. Von prominenten Geistern zu hören, Auschwitz verbiete einen neuen Bismarckschen Einheitsstaat, kann einen nur betrüben.
Der mir unangenehmste Punkt ist die sogenannte strafrechtliche Aufarbeitung der DDR-Geschichte, weil dabei nur schäbige Kompromißurteile herauskommen können. Man hat Herrn Honecker, der doch ein Parteisoldat seiner russischen Besatzer war, unter konspirativen Bedingungen aus dem Lande geschafft. Und im Endeffekt wird wohl niemand wirklich bestraft werden, weil die Juristen sich der ganzen Erbärmlichkeit und Unwürdigkeit ihrer strafrechtlichen Bemühungen im Osten bewußt sind. Tatsächlich, bei allen Bedenklichkeiten, die Amnestien so an sich haben, es wäre nun wirklich Zeit für eine strafrechtliche Amnestie, dies meint nicht nur Marion Gräfin Dönhoff.
Frankreich, das ja in mancherlei Hinsicht nicht als allergewissenhaftester Rechtsstaat gilt, hätte sich diese Blamage erspart. Im Westen haben wir nicht genug Justizpersonal, und im Osten führen wir aus einer Legitimation heraus, die wir Gott weiß woher nehmen, diese wunderbaren Prozesse. Nun ist es wahr, daß alle, die an Leib und Leben fast bis zum Äußersten gelitten haben, sich von deren Unsinnigkeit nur schwer überzeugen ließen. Sie wollen Rache. Nur dürfen wir vermutlich auf sie nicht hören. Strafrechtlich ist einfach zuwenig zu holen.
Ein anderes, ein vielleicht ebenso schwerwiegendes Problem stellt die Gauck-Behörde dar, einzigartig in der Geschichte der Menschheit seit dem Bau der Pyramiden, und ebenso umstritten.
Festzuhalten ist, meint die SPD-Abgeordnete Margot von Renesse, daß die DDR "um Lichtjahre" vom Grauen des NS-Regimes entfernt gewesen sei. Schließlich sei dem SED-Staat nicht vorzuwerfen, daß er ganz Europa mit Krieg und organisiertem Massenmord überzogen habe.
Hier gilt es korrekt zu sein. Hitler hatte bis weit in den Krieg hinein die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich, wohingegen der SED-Staat von einem Puppenregime verwaltet wurde. Wie hätte es ganz Europa mit Krieg und organisiertem Massenmord überziehen können? Wo das Regime allerdings selbständig handeln konnte, geschah das mindestens so menschenverachtend und menschenfeindlich wie im Hitler-Staat. Ich denke, zwischen den Qualitäten dieser beiden Unrechtsstaaten zu unterscheiden, lohnt sich nicht.
Ich möchte ein Wort von Theodor W. Adorno in Erinnerung bringen. Er forderte im Hinblick auf die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit schonungslose Reflexion einer kränkenden Vergangenheit, die uns mit einem anderen Selbst konfrontiert als dem, das wir zu sein glauben und sein möchten. Er meinte ferner, diese Reflexion könne nur heilen, wenn sie nicht als Waffe von außen gegen uns eingesetzt würde, sondern von innen als Selbstreflexion wirksam würde: "Was immer propagandistisch geschieht, bleibt zweideutig."
Darin liegt der große Unterschied zwischen der Nachkriegszeit und unseren jetzigen Problemen im Osten. Wie könnte etwas zusammenwachsen, was so offensichtlich vom Westen betrieben wird.
Die Gauck-Behörde mit ihren enormen Kosten nicht nur materieller Natur wollte vermitteln, und sie hat sogar zum Teil vermittelt. In welchem Ausmaß das gesamte Gebiet der DDR menschlich und ökologisch verseucht war, wußte niemand, und wir würden nichts wissen ohne die intensive Arbeit der Gauck-Helfer.
Aber auch hier die Frage: Müssen oder wollen wir das alles denn überhaupt erfahren? Auch ich neigte ursprünglich jener Meinung zu, die bis in hohe und höchste Kreise ging, aus dem ganzen Stasi-Miststall hätte man ein Riesenfeuer machen sollen. Der ehemalige Bundespräsident von Weizsäcker war anderer Meinung. Für ihn geht es bei einer Amnestie "eben gerade nicht um Amnesie". In einem SPIEGEL-Gespräch erläuterte er, daß es gelte, Irrtümer einzusehen und zu überwinden, auch mittels einer Amnestie.
Dies ist wohl bisher zum Teil geschehen, und vielleicht werden wir denen danken, die ein Vergessen verhindert haben. Genugtuung für die Opfer kann es nicht geben, auch materiell sicher niemals ausreichend. Doch ist der Reinigungsprozeß auch eine Art Genugtuung, obwohl man daran zweifeln darf, daß die Mehrheit der Ostdeutschen ihn überhaupt will.
Was wir auf jeden Fall alle nicht wollen können, ist eine Wiederkehr jener Siegerjustiz, wie sie nach 1945 an so manchem willkürlich vorgenommen wurde. Der Generalleutnant Fiebig, der vor Stalingrad alles in seinen Kräften Stehende getan hatte, um dieses entsetzliche Unheil zu verhindern, wurde 1947 in Belgrad hingerichtet. Warum? Er hatte als Oberst der Luftwaffe die Bombardierung Belgrads mit vorbereitet. Hätte man dies zum Maßstab genommen, hätte kein aktiver Offizier, der es bis zum Oberst und darüber hinaus gebracht hatte, verschont bleiben dürfen. Stalin dachte so - Churchill und Roosevelt dachten so nicht.
Wie wollte man Hitlers "Fachleute" bestrafen?
Das Grundgesetz ist ein Stück gelungener Aufarbeitung
Wie sehr die DDR menschlich verseucht war, wußte niemand
* Bei der Feier in Bad Harzburg anläßlich der Gründung des Staates Israel am 15. Mai 1948 war ich anwesend und hörte den Rabbiner auf jiddisch sagen: "Wer werdn nischt ruhn, bis wer schtejn oif beide Saiten vim Jorden." * Tom Segev: "Die siebte Million. Der Holocaust und Israels Politik der Erinnerung". Rowohlt Verlag, Reinbek; 764 Seiten; 68 Mark. * Konferenz von Jalta im Februar 1945. ** Die letzte, taktlos, aber erfolgreich, ging von Bundeskanzler Helmut Kohl aus, der sich darüber beschwerte, daß man ihn in Israel beschimpfe, während man in Bonn die Hand aufhalte. * Im März 1960 im Hotel "Waldorf Astoria" in New York. ** Im Gegensatz zu Omer Bartov ("Hitlers Wehrmacht") glaube ich nicht, daß die auf dem Rückzug befindliche Truppe von den Parolen ihrer Führer noch stark beeindruckt war, und ich habe mich dreieinhalb Jahre im Osten herumgetrieben. Hier bin ich im Einklang mit den Professoren Manfred Messerschmidt und Hans Mommsen. Bartov zitiert Briefstellen die Menge, läßt aber außer acht, daß die Mehrheit der Soldaten über Politik in ihren Briefen nichts schrieb. * Während der Gedenkfeier in Bergen-Belsen.

DER SPIEGEL 19/1995
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FAZ - Adenauer-Zeit, mißglückter Anschlag ....

Beitrag  alexander pfersdorff am 1/1/2014, 15:26

laut der damaligen FAZ-Ausgabe: " ... Jetzt stehen die Namen der Attentäter fest - es handelt sich um ehemalige Aktivisten der 1948 aufgelösten jüdischen Terrororganisation „Irgun Zwai Leumi“, auch „Etzel“ genannt, die gegen die britische Mandatsmacht gekämpft hatte." ...

Was heißt hier Terrororganisation? Komisch die Briten hatten wohl die Rechte am heiligen Land gepachtet.
Oder wie ist das zu verstehen !? .... wenn Juden damals für ihre Rechte kämpften, dann nannte man es damals schon: Terror! Sehr, sehr interessant .... zwinkerli 

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