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Quelle: Pinchas Lapide - Schaul/Paul zwischen Damaskus und Qumran

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Quelle: Pinchas Lapide - Schaul/Paul zwischen Damaskus und Qumran

Beitrag  Rapha am 2/5/2015, 11:56

Quelle:
Pinchas Lapide, >Paulus zwischen Damaskus und Qumran< 
ISBN 3-579-01425-0: VG Güthersloh 1993

Brief an Paulus

Zitat


Gestern sprach ich mit einem Gastsassen – heute nennt man sie Gastarbeiter – aus Deiner Vaterstadt TARSUS, die jetzt zu einem Land gehört, das man Türkei nennt. Ich muss Dir erstmal leider berichten, dass deine Heimatstadt TARSUS an sich so gut wie bedeutungslos geworden ist. Allerdings steht und fällt sie mit der touristischen Vermarktung des Gedenkens an Dich! Eine deutsche Partnerschafts-Stadt ist beispielsweise Langen bei Frankfurt. Weiterhin gibt es traumhafte Reisemöglichkeiten, nicht nur mit den dir vertrauten Reittieren und Karren, sondern auch mit Dampfmaschinen, Luftschiffen, Autos und Touristenschiffen. Wenn Du damals die Hälfte dieser Verkehrsmittel zur Verfügung gehabt hättest, wen hättest Du nicht alles noch für den GOtt ISRAELS missionieren können. !? Auf diesem Gebiet gibt es auch heute noch eine Menge Aktivisten im christlichen Lager. Aber das Missionsgeschäft steckt in einer schweren Kriese. Jahrhunderte haben sie – auch in Deinem Namen – mit Feuer und Schwert die “Ungläubigen“ bekehrt, heutzutage jedoch haben Götzen aller Art wieder die Oberhand gewonnen. 
Und dennoch: In jeder Stadt des Abendlandes gibt es Gebetspaläste, die man >Kathedralen< nennt. Sehr oft tragen sie Deinen Namen. Und höre und staune: HEILIG haben sie Dich gesprochen! Aber die größte Überraschung blüht Dir noch. Vielerorts hat man Dich und deinen Erzkonkurrenten Petrus, den alten Fischermann, zusammengekoppelt und die Kathedrale dann auf St. Peter und St. Paul getauft! Leider aber kann man nicht behaupten, dass diese Bethäuser von Betern überhäuft sind, obwohl die Innenausstattungen auf hohem künstlerischem Niveau aufgebaut ist. Es wimmelt nur so von Statuen und Gemälden von Dir, obwohl du und ich wissen, dass >… du dir kein Bildnis machen sollst …<, wie es in den 10 göttlichen Grundaussagen vom Sinai heißt.
Diese >10 göttliche Grundaussagen< sind so ungefähr das einzige, was allen Hunderten von christlichen Konfessionen im Prinzip gemeinsam geblieben ist. Gepredigt wird in Kirchen häufig unter Bezugnahme auf Dich, wobei es so manchem Pfarrer ergeht wie Dir in Troas, als Eutychos während deiner Predigt eingeschlafen ist.
Von all Deinen vielen Reisen hat Dein Besuch in Korinth wohl die schwerwiegendsten Folgen für alle christlichen Frauen. Die Männer beziehen sich nämlich mit Genugtuung auf deinen Aufschrei: >Das Weib schweige in der Kirche!< Ich bin eigentlich der Meinung, dass Du nie die Absicht hattest, wegen deines Ärgers mit ein paar Frauen in Korinth, für alle Orte und Zeiten den Frauen das Wort in der Kirche zu verbieten. Doch da hast Du es! So ergeht es einem, wenn man als Heiliger ständig beim Wort genommen wird.
Nicht viel hat gefehlt, und man hätte Deinen Mantel und die paar Bücher, die Du in Troas vergessen hast, zu heiligen Reliquien erklärt und ihnen einen Schrein gebaut. Doch trotz Deiner Popularität bist und bleibst Du eine der missverstandensten Gestalten des sog. “Neuen Testamentes“. Und dieses ist noch obendrein häufig falsch übersetzt worden. Ich habe festgestellt, dass es sich dabei teils um fehlerhafte Übertragungen Deiner oft markigen Aussprüche handelt, aber genauso oft auch um “Hinein-Lesungen“ in den Text von Seiten etlicher Christen, die eigentlich “Paulinisten“ heißen sollten. Denn nicht alles was wir von Dir Paulus lesen, muss auch von Dir Paulus stammen. Im Übrigen hast Du ja nie auf deinen Königsnamen SCHAUL verzichtet, sondern dir lediglich Deinen griechischen Parallelnamen PAULUS für Deine Reisen in der Heidenwelt zugelegt. Ähnlich verfahren viele fromme Juden bis auf den heutigen Tag. Traurig stimmt mich deshalb das deutsche Sprichwort: >Ein SAULUS wurde zum PAULUS<. Dies will so viel sagen wie: >Ein Verbrecher wurde anständig< !!! – Das hast Du allerdings wirklich nicht verdient!
Lass uns nun mal zu deinem Damaskus-Erlebnis kommen. Alle Welt spricht noch heute von Deiner dortigen “Bekehrung“. Ich aber frage Dich: > Von wo und wohin soll diese Bekehrung stattgefunden haben < ? Wo doch das Wort und der Begriff “Bekehrung“ im Zusammenhang mit Deinem Erlebnis überhaupt nicht vorkommt!? Mehr noch: Du verwendest diesen ausdruck in keinem Deiner Briefe, was für mich Bände spricht! Was also geschah wort auf der Straße nach Damaskus? Du sagtest ja selbst, GOtt habe Dich >durch seine Gnade berufen und Dir eine Mission für die Heiden gegeben<
An Deinem gläubigen Judensein hat also diese Berufung nicht das geringste geändert, auch wenn du Jesus von Nazareth für den Messias Israels gehalten hast! Schließlich glaubte auch der große Rabbi Akiba fast 100 Jahre später, dass ein gewisser Bar-Kochba der Messias Israels sei. Bar-Kochba ist leider auch gescheitert, und Rabbi Akiba, der sich also geirrt hatte, wurde genau wie Du von den Römern zu Tode gefoltert. Als großer Lehrer des antiken Judentums gilt er noch bis auf den heutigen Tag. Zwischen Rabbi Akiba und Dir bestehen allerdings erheblich theologisch Differenzen, die Du vielleicht im Laufe der Jahrhunderte im Jenseits mit ihm persönlich durchdebattieren konntest. So hast du z.B. Deinen Messias auch als “Sohn GOttes“ verkündigt, was Rabbi Akiba mit Bar-Kochba nie getan hat. Es stimmt doch, dass Du den “Sohn GOttes“ in der hebräischen Bedeutung im Sinne hattest, wie du es bei deinem Lehrer Rabban Gamaliel gelernt hast!? Damit hast Du keinen Verstoß gegen das religiöse Judentum begangen, da ja dieser Begriff >Sohn GOttes< jemanden bezeichnet, der makellos in den wegen der TORAH wandelt. Genauso hat es auch Rabbi Jeschua BarJosef in seiner Berglehre ausgedrückt. Erst als dieser Begriff ins Griechische übertragen wurde, bekam er den im heutigen Christentum immer noch geläufigen, ganz anderen Sinn. Wie du also merkst, lieber Schaul, habe ich mich ganz intensiv mit Dir und deinem Werk befasst.
Streitbar und umstritten warst Du ja zeitlebens, wie wir aus Deinen Briefen leicht erkennen können, wo Du Deine Gegner ganz wüst und unheilig beschimpfst: als >Tempelräuber und Ehebrecher< , als >Zerschnittene und Kastraten<, als >Lügner< und so manches andere mehr. Ich verteidige Dich, so gut es geht, indem ich diese Wutausbrüche Deinem orientalischen Temperament und Deinem Missionseifer zuschreibe. Besonders fasziniert mich Dein Dauerzwist mit Deinem Kollegen Schimon Kepha, der nun als Petrus ebenfalls weltberühmt ist und genau wie Du als “heilig“ verehrt wird. Ich will dich nicht aufregen, aber mir scheint, dass er es noch ein Stückchen weitergebracht hat als Du, indem er und seine Nachfolger zu Stellvertretern Eures Rabbis für alle Zeit ernannt wurden.
Weit gebracht habt ihr zwei Juden es jedenfalls! Mir ist es klar, dass Du in der Debatte mit der Urgemeinde im Hintertreffen bleiben musstest, weil Du den irdischen Jesus selbst persönlich nie gekannt hast. Die anderen aber zogen mit ihm jahrelang durch das Land und konnten seine Lehren mehr oder weniger auswendig zitieren. Ist es denkbar, lieber Paulus, dass Du deshalb den nachösterlichen Jesus so häufig hervorhebst und den irdischen, bzw. historischen Jesus nur die zweite Geige überlässt? Über anderthalb Jahrtausende ging die Kirche diesbezüglich in deinen Fußstapfen und entdeckt erst jetzt wieder den irdischen Rabbi Jeschua, der ja als Jude geboren, beschnitten und erzogen wurde und zeit seines Lebens den Glauben seiner Väter die Treue hielt, bis er für sein Volk und seinen Glauben von den Römern verurteilt und hingerichtet wurde.
Wir lesen im sog. “Neuen Testament“, dass Du auf all Deinen Reisen immer zunächst in die Synagogen vor Ort gingst und danach zu den “Gottesfürchtigen“. Du wirst entsetzt sein zu erfahren, dass man heute kaum mehr weiß, wer diese Leute waren. Aus unserer jüdischen Überlieferung kennen wir sie aber recht gut als Menschen, die schon zu Deiner <zeit im ganzen Mittelmeerraum dem Götzendienst abgeschworen hatten, unterwegs zum Judentum waren und die >Sieben Noachidischen Grundgebote< bereits auf sich genommen hatten. Nur ein einziges Mal gingst Du aber, nämlich in Athen, zu den Vollheiden, um ihnen zu predigen. Im Vertrauen gesagt: >Ich werde es nicht weitererzählen, dass Du dort sehr geringen Erfolg hattest.< Können wir also davon ausgehen, dass Dein Anliegen eigentlich die Verbreitung einer Art Reformjudentum –mit Jeschua als Messias- war? Jeschua selbst, wie Du sicher weißt, wollte ja nie, bis auf wenige Ausnahmen, zu den Heiden gehen und war ein ausgesprochener TORAH-Verschärfer.
Apropos, hast Du jemals die hebräische bzw. aramäische Urschrift der christlichen Evangelien gesehen? Uns sind leider nur spätere griechische Übersetzungen erhalten geblieben, die zwischen 70 und 100 n.Zr. niedergeschrieben wurden, ja sogar erst über 300 Jahre später als ein sog. “Neues Testament“ niedergeschrieben wurden. Also lange nach deinem Tod. Ich plage mich seit geraumer Zeit sehr, mehrere grobe Übersetzungsfehler aufzuklären, die im Laufe der Jahrhunderte zu bösen Vorurteilen, ja sogar zu Verfolgungen von Seiten der Christen gegen Deine und meine Brüder und Schwestern geführt haben. Bei Zeiten werde ich Dir noch dutzende Beispiele dieser Art unterbreiten.
Zurück zu Deiner Sendung im Mittelmeerraum.
Erstens: Ohne das kleine JA zu Jeschua als Messias von etlichen Tausenden von Juden, die ihn begeistert annahmen, einerseits und ohne das große NEIN der meisten Juden andererseits, die ihn zwar als Lehrer, als Prophet oder Rabbi liebten, und schätzten, ihn aber nicht als Messias in einer so unerlösten Welt anerkennen konnten, wärst Du wohl nie auf Deine Missionsreisen in die halbe Welt gegangen. Oder irre ich da? Oder wärst Du auf jeden Fall gegangen, da zwischen Dir und der Jerusalemer Urgemeinde unter der Führung von Schimon-Petrus und Jakobus die Spannungen doch recht unerträglich geworden waren? 
Zweitens: Die große Katastrophe der Zerstörung Jerusalems und die Vertreibung der Juden durch die Römer geschah im Jahre 70 n.Ztr., also lange nach deinem Ableben. Da konnte man keinen jüdischen Messias am Römerkreuz mehr im römischen Weltreich verkündigen. Da bekanntlich in jenen Kriegswirren auch die Jerusalemer Urgemeinde verschollen ist, wurde der Mittelmeerraum allmählich ein heidenchristliches Gebiet. Hast Du dir das so vorgestellt? In der Rückschau darf man annehmen, dass ohne die Zerstörung Jerusalems dieselben Heiden zu Judenchristen oder zu halbjüdischen Jesuanern geworden wären. Fest steht, dass zu Jeschuas Lebzeiten seine ganze Bewegung innerjüdisch und torahtreu war und geblieben ist.
Das Heidenchristentum aber hat sich inzwischen vom jüdischen Glauben Jeschuas abgesetzt, hat eine Menge von Heiden in aller Welt missioniert, sich selbständig gemacht und unter dem Namen >CHRISTENTUM < die halbe Welt erobert. Nicht wenige Christen hegten im Laufe der Jahrhunderte eine ganz unbiblische Schadenfreude über die Zerstörung Jerusalems, die als Strafe GOttes für die jüdische “Ablehnung“ Jeschu deuten wollten. Könntest Du da nicht einmal mit einem großen Donner dazwischen fahren und daran erinnern, dass alle Propheten Israels gerügt und gemahnt und mit der Tempelzerstörung gedroht hatten, aus Sorge und Kummer wegen Israels gelegentlichen Sünden? Dieselben Propheten, Jeschua und auch Du, betonten aber immer wieder auch die ungekündigten Gnadenbünde desselben GOttes mit demselben Volke Israel, was von besagten Christen gerne unter den theologischen Teppich gekehrt wird!
Zu einem anderen Thema, lieber Paulus! Jahrhundertelang hat man dich im Judentum verketzert oder totgeschwiegen, während Christen alles dazu taten, um Dich – der Du Dich als >Jude< , als >Hebräer< und als >Pharisäer< zu erkennen gabst – Deinem Volke zu entfremden! Genau so haben sie es ja auch mit Jeschua BarJosef aus Nazareth getan. Erst in unseren Tagen kommt es zu >Heimholungsversuchen< des Nazareners, der meiner Meinung nach nie fortgegangen war, in seinem Judentum. Ebenso beginnt ein keimendes Verstehen unter Juden für Deine oft widersprüchlichen Anliegen. Das fällt heutzutage leichter, weil es jetzt einerseits wieder einen Judenstaat gibt und eine weltweite Diaspora andererseits. – Also ganz wie in Deinen Tagen. Schade, dass Du die großen Reform-Synagogen in Amerika nicht besuchen kannst; ich denke , Du würdest Dich dort ganz zu Hause fühlen. Doch damit kein Missverständnis zwischen uns aufkommt: Juden sind sie allemal geblieben, und an eine Vermischung von Judentum und Christentum denkt kein Mensch in beiden Lagern.
Ein Riesenhuhn hätte ich jedenfalls noch mit Dir zu rupfen:
Deine sehr zwiespältige Einstellung zur TORAH, die Du einerseits als >heilig und gerecht und gut< bis in den Himmel lobst, aber andererseits als >zur Sünde führend< bezeichnest – und dann vom >Fluch des Gesetzes< sprechen kannst. Zu guter Letzt aber beteuerst Du mit Nachdruck: >Heben wir durch den Glauben das Gesetz auf? Keineswegs, wir bringen das Gesetz zur Geltung!< 
Hast Du geahnt, mein lieber Benjaminite, dass die Christenheit, sich auf Dich beziehend, fas alle Gebote der TORAH al nicht mehr gültig erklären würde? Diese Deine Zerrissenheit haben Juden nie verstehen können. Es sei denn, wie ich erwäge, dass Du beim Lob in der Tat die TORAH insgesamt meintest, während Du bei der Abwertung des Gesetzes, wie Du es auf griechisch nennst, an etliche Auslegung Deiner rabbinischen Kollegen dachtest, mit denen Du im Clinch warst. Diesen Fragen will ich später nachgehen. Rabbinenstreit um der Auslegung willen übrigens gibt es bis auf den heutigen Tag in Hülle und Fülle; das Pech ist aber, dass Deine Schimpfworte von den Christen falsch verstanden, verabsolutiert und dann noch heiliggesprochen worden sind! Fest steht jedenfalls, dass du den Glauben Jeschuas in einen Glauben >AN< Jesus umfunktioniert hast. Hier, mein lieber Freund, ist vielleicht des Pudels Kern, der zum Auseinandergehen der Wege führen musste!
Doch jetzt kommen wir zur Gretchenfrage:  > Wie hältst Du´s mit den Frauen? <
Zu Antijudaismus, nämlich in gewissen feministischen Kreisen heute, hat Deine seltsame Einstellung zu den Töchtern Evas geführt. Wie konntest Du behaupten, dass die Frau lediglich ein Abglanz des Mannes sei und die Frauen sich unterordnen sollen? Weiterhin empfiehlst Du, dass ein Mann keine Frau berühre und dass er am besten nicht heirate. Das ist längst nicht alle Negative, was Du über das schwächere Geschlecht, wie Du es nennst, zu sagen hast. Wärst Du so lieb, den Feministinnen, die Juden all diese Aussagen in die Schuhe schieben, vielleicht in einer kleinen Vision zum Beispiel klarzustellen, dass all dies Dein >EIGENES< Sondergut ist, das keineswegs der TORAH oder der rabbinischen Lehrmeinung entspringt.
Viel Kopfzerbrechen hat mir und anderen Dein Rat im Römerbrief gemacht, blindlings jeder Obrigkeit untertan zu sein, da sie >von GOtt komme<. Du kannst doch wohl nicht gemeint haben, dass z.B. Polen sich nicht vom russischen befreien dürfe, oder dass an gegen Hitler keinen Widerstand hätte leisten sollen. Und was soll für die Befreiungstheologen Leonardo Boff, die Brüder Cardenale und viele andere in Lateinamerika gelten, die alle fromme Christen sind? Ich versuche Dich zu verstehen: Du hast für einen bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit geschrieben, nämlich für die junge, schwache Gemeinde in Rom zu Deinen Lebzeiten, die noch viel zu klein und unorganisiert war, um Widerstand gegen das Weltreich zu wagen. Du warst doch viel zu klug, um einen solch spezifischen Ratschlag für alle Orte und alle Zeiten verewigen zu wollen! Genau das aber hat die Kirche später mit diesen und Deinen anderen Worten getan.
Nach all dieser Schelte lass mich nun gleich ein Bündel Lanzen für Dich brechen. Was ich und viele andere mit mir Dir hoch anrechnen, ist, dass Du in Deinem letzten Brief, den man wohl das Vermächtnis erachten darf, in Kapiteln 9 – 11 des Römerbriefes als, eindeutig festhältst, dass alle Bündnisse GOttes natürlich dem Volk ISRAEL für immer gehören und dass GOtt sein Bundesvolk >niemals verstoßen noch verworfen hat<. Und nicht zuletzt, dass GOttes Berufungen und Verheißungen an ganz ISRAEL >unwiderruflich und unbereubar< sind und bleiben.
Obwohl Rabbi Jeschua aus Nazareth viel mehr von Ackerbau und Botanik verstand als Du, der Du ja ein Stadtmensch wart, dessen Gleichnisse von Großstadtbildern wimmeln, gefällt mir immer wieder Dein mahnendes Gleichnis vom Baum und den Wurzeln! >Nicht Du trägst die Wurzel< so schärfst Du den Heidenchristen ein, >sondern die Wurzel (ISRAEL) trägt Dich<. Ein Glück, lieber Rabbi aus Tarsus, dass Du zwar vor den Heiden kaum je gepredigt hast, dafür aber wichtige Aussagen ihnen ins Stammbuch schriebst.
Was immer man Dir auch vorwerfen mag, bleibt es Dein unsterbliches Verdienst, dass Du – und später viele andere in Deinem Namen – die Botschaft vom GOtt ISRAELS in allen Ecken der Welt verbreitet hast. Wer weiß, ob ohne Deinen gewaltigen Einsatz die Leute hierzulande nicht heute noch dem Wotan und der Freya Pferdeopfer auf der Godesburg darbringen würden?

Lieber Paulus, der Brief wird bald zu lang. Dies war ja auch nur ein Gabelbissen aus dem Menü von Themen und Fragen, die ich liebend gern mit Dir erörtern möchte. Brennend interessiert mich auch folgender Fragenkatalog:




Zitat


  • Wie viele Christologen kanntest Du? Und welche davon würdest Du der heutigen Christenheit (als einigendes Band an ihrer Gespaltenheit) empfehlen?

  • Was trieb Dich eigentlich nach Arabien, das ja zu Deiner Zeit eine fast unbewohnte Einöde war? Nach Rekonstruktion Deiner Missions- und Studienreise denke ich, diesem Reiseziel und Deinem Anliegen dort auf die Spur gekommen zu sein.

  • Was meinst Du mit deinem >Stachel im Fleisch<, den Du >des Satans Engel< benennst? Ich mache mir da so meine Gedanken …

  • Warum hast Du Deinen Gehilfen Timotheus beschnitten, wo Du doch den Galatern verkündigest, dass >IN Jesus weder Beschneidung noch Unbeschnittenheit etwas gelten<? Hier ist ein Widerspruch, und außerdem muss ich Dir mitteilen, dass dieses Ereignis im Leben Jesu so wichtig für das ganze Abendland geworden ist, dass man das Neujahrsfest überall am 1. Januar feiert, nämlich am Tag seiner Beschneidung. Wohlgemerkt, nicht seinen Geburtstag, der 24. Dezember, wurde also zum Tag der Jahreswende aller Christen.

  • “Grüßet den Andronikus und den Junias, meine Stammesverwandten … welche berühmte Apostel sind und vor mir in Christus waren.“ So schreibst Du im Römerbrief. Ich habe recherchiert und festgestellt, dass es im Griechischen keinen Männernamen Junias gibt, wohl aber einen Frauenname Junia. Ist es denkbar, dass die spätere Männerkirche dieser Apostolin ein >S< (bzw. ein griechisches >ν<) angehängt hat, um sie zu vermännlichen? Meine Fragen: Waren Andronikus und Junia etwa ein apostolisches Ehepaar? Ferner: Gab es etwa noch mehr Apostolinnen?

  • Wie kommt es, dass weder der als Verräter verleumdete Judas noch der angebliche Prozess Jesu vor dem Hohen Rat bei Dir auch nicht mit einem Sterbenswörtchen Erwähnung finden? Hast Du nichts davon gehört? In Anbetracht der schwerwiegenden Folgen, die der >Verrat< und der >Prozess vor dem Sanhedrion< bis heute zeitigen, finde ich Dein Schweigen sehr beredt!

  • Gehe ich richtig in der Annahme, dass Du häufigen Gedankenaustausch mit damaligen Proto-Kabbalisten pflegtest? Die mystische Tendenz in etlichen Deiner Briefe legt diese Vermutung nahe.



Der Fragen ist kein Ende, wie Du siehst – an Dich und über dich. Daher dieser Brief an Dich, sowie viele Postings in den heutigen Internet-Foren. Da der Rabbi Jeschua BarJosef aus Nazareth schon empfohlen hat: >Die Wahrheit macht Euch frei<, habe ich mir erlaubt, lieber Paulus, Deine himmlische Ruhe mit meiner Wissbegierde zu stören. Ich denke, mich da in sehr guter Gesellschaft zu befinden, denn bereits im zweiten Petrusbrief des sog. “Neuen Testaments“ wird geklagt, dass >so manches in den Briefen des Paulus schwer verständlich sei!!!<

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Schalömchen ihr Lieben

Beitrag  Suzanah am 27/5/2015, 09:22

cheers Todah! lieb drück kennt jemand dieses Buch http://www.talmud.de/aktuell/juedjes.htm Question Question Question Question HILFE
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